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Pro-Kurva oder Haut und Knochen? März 17, 2008

Posted by Viktoria in Frau über Frauen, Mad World.
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Inspiriert haben mich die Blogs zweier Frauen, die sich ebenfalls diesem Thema gewidmet haben. Ich denke, im Grunde kann es nicht genug Menschen geben, die sich mit der Doppelmoral und der Gefahr gängiger Schönheitsideale und daraus resultierenden Süchten beschäftigen! Somit möchte ich auch an Euch beide Artikel weiterleiten, vielleicht findet Ihr ja auch gefallen dran:

Pro-Ana und Pro-Mia: Antwort auf die Knochenlutschgöttin von der Schmitti
und Knochenlutscher von der Alia

Unterernährung in unserer Überflussgesellschaft. Ein Phänomen, das an Perversion grenzt. Nein, eigentlich nicht. Es ist Perversion. Und bezeichnend für unsere Zeit.

Wie kann es sein, dass der Umgang mit dem Essen uns im Westen so schwer fällt? Wie kann es sein, dass in Deutschland ca. 100.000 Menschen von Magersucht betroffen sind - 90% davon Frauen zwischen 15 und 35 Jahren sind? 600.000 unserer Mitbürger unter Bulimie leiden?

Wie kann es sein, dass sich im Internet Imperien einer Pro-Ana und Pro-Mia Bewegung aufbauen, die ihre Erkrankung, ihre Schlankheitssucht verherrlichen und sich bis ins unermessliche abhungern?

Wie kann es sein, dass Keira Knightley, Victoria Beckham oder Lindsay Lohan zu Schönheitsidealen avancieren? Klar - die ganzen Hochglanzmagazine heucheln irgendwie schon ein geringes Maß an Besorgnis vor. Dennoch haben die ständigen Fotos, die wir von diesen Hungerhaken vor die Nase gesetzt bekommen einen anderen Effekt. Nein, sie wirken nicht warnend. Das täten sie vielleicht, wenn die Magazine genannte Damen in misslicheren Situationen als auf dem Roten Teppich, bei irgendwelchen Galas oder Aftershow-Partys zeigen würden. Nicht zu vergessen der wohl verdiente Urlaub am Strand in Hawaii oder Malibu.

Da kommen doch schon Gedanken auf, wie dass es durchaus schön wäre, ein wenig mehr so zu sein, wie sie. Nur ein bischen mehr. Selbstverständlich will man es nicht übertreiben. Aber wo hört man denn auf, wenn man plötzlich Komplimente aufgrund der schlankeren Taille bekommt? Wann wird aus dünn dürr? Wann erreicht einen die Erkenntnis, dass man am Limit ist?

We are beautiful no matter what they say
Yes, words won’t bring us down , oh no
We are beautiful in every single way
Yes, words can’t bring us down , oh no
So don’t you bring me down today

heißt es im Lied “Beautiful” von Christina Aguilera. Eine Hymne an die Selbstakzeptanz. Der Videoclip tut sein übriges. Allerdings ist es auch nicht schwer, sowas in die Welt hinaus zu trällern, wenn man mit seiner Figur mal garnicht zu kämpfen hat. Wenn der Personaltrainer zum Tag gehört, wie das Zähneputzen auch. Den Zeitfaktor darf man beim Nacheifern gängiger Schönheitsidealen nämlich nicht außer Acht lassen. Genau so wenig wie das Geld, welches in ebenso beachtlichem Ausmaß verpulvert wird.

Dennoch: Wie kann es sein, dass wir Frauen uns in solchem Ausmaß mit unseren Maßen beschäftigen? Sage mir: Wann hast Du das letzte mal Nachmittags, nachdem Du am gleichen Tag schon gefrühstückt und zu Mittag gegessen hast einen leckeren Brownie verspeist, dazu einen Milchshake getrunken - ohne dass Dich nachher zumindest eines geplagt hat:

a) Du hattest Schuldgefühle.
b) Du hast Dir darüber Gedanken gemacht, wieviele Punkte/Kalorien das waren.
c) Du denkst über Sanktionen bei der folgenden Mahlzeit nach…
d) … die erst am nächsten Tag stattfinden wird, bis dahin ist der Brownie hoffentlich weg.
e) Du gehst im Geiste die Termine des morgigen Tages durch um noch eine Extraschicht im Fitnessstudio einzuschieben.
f) Das war nun wirklich, wirklich die letzte Sünde, die Du Dir in Deinem Leben erlaubt hast. Ab morgen gibt es nur noch Salat!
g) … zumindest bis Weihnachten, da kann man um das ungesunde Zeug ja nicht drum rum.

Jaja, es ist wirklich nicht leicht, heute noch ein ungezwungenes Verhältnis zu seinem Essen und seinem Körper aufzubauen. Auch ich bin mitlerweile so konditioniert, dass ich immer krampfhaft überlege, wie viele Kalorien, ich zu mir nehme. Wenn ich ins Kino gehe muss dennoch eine Tüte Popcorn und eine große Cola her. Und nachher habe ich Schuldgefühle. Das macht doch keinen Spaß.

Ich denke, wir müssen neues Selbstvertrauen in uns setzen. Wie würden wir uns finden, wenn wir uns losgelöst jeglicher Schönheitsideale betrachten würden? Wären wir dann immer noch zu fett? Zu kleinbusig? Was findest Du schön an Dir selbst?

Und was noch?

Und was macht uns als eigenständigen und als solchen liebenswerten Menschen aus? Der Körper ist nicht alles, auch wenn es in gängigen Magazinen fast ausschließlich um diesen geht. Nein, es ist noch sehr viel mehr, was uns aus macht, worauf wir setzen können. Es mag zwar auch aufs Äußere ankommen, aber Schönheit setzt sich nicht an dick oder dünn fest. Schön ist alles, was gesund ist! Ein gefährliches Maß an Übergewicht ist nicht schön, denn es ist ungesund. Ich rede jetzt nicht von den Fettpölsterchen, die bei Frau auch mal Größe L auf den Plan holen. Naja, eigentlich will ich es garnicht an den Größen festmachen. Aber wenn es nicht mehr gesund ist, sollte was dran getan werden, denn ein ungesundes Leben im Übermaß kostet genau so viel Lebensqualität wie ein ungesundes Leben im Untermaß so zu sagen.

Und so schaut es nämlich aus: Hungerhaken sind nicht sexy! Hungerhaken sollten jeden normalen Menschen an diejenigen erinnern, die unter Menschen unwürdigen Bedingungen leben müssen und leben mussten, die keine Optionen haben (es sei denn wir priviligierten Menschen im Überfluss geben sie ihnen endlich einmal) und hatten - nicht an die Laufstege unserer Welt!

Problem an der ganzen Sache ist ja einfach die, dass eben auch so extrem dürre Exemplare wie eben auch Keira Knightley großen Erfolg haben. Man schaue sich auch die Bank weg alle Schauspielerinnen an, die uns mittwochs im Rahmen der Serie “Desperate Houswives” beglücken. Das sind ja alles Frauen über 35. Oder bei “Grey’s Anatomy” das selbe Rippenspektakel. Naja, da verdeckt es zumindest der Arztkittel zumeist ein wenig. Verantwortungsbewusster sollten Medien und Akteure werden. Ob dies mit Sponsoren etc. also (wie immer) mit wirtschaftlichen Faktoren zu vereinbaren ist, steht selbstredend auf einem anderen Blatt geschrieben. Klar, dass es lange nicht mehr auf das Wohl der anderen ankommt ist mir schon bewusst, seitdem bekannt wurde, dass Britney Spears doch keine Jungfrau mehr ist.

Und nun, bevor ich langsam zum Ende komme, vielleicht noch eine Checkliste, die Du, die Du grade Diät machst, doch noch befolgen solltest (nur ein Rat meinerseits, ob Du ihn befolgst ist natürlich Deine Sache):

Du solltest Deine Diät beenden, wenn…
1. Du beim Einatmen an Bodenhaftung verlierst.
2. Du Dich beim Staubsaugen anschnallen musst.
3. Dein Gesicht schon so schmal ist, dass Du mit beiden Augen durch ein
Schlüsselloch schauen kannst.
4. Du mit Deinem Arm einen Strohhalm von innen sauber machen kansst.
5. Du beim Essen dauernd vom Sessel kippst, weil Du mit dem Löffel Übergewicht
nach vorn bekommst.
6. Dich der Arzt zum Röntgen vor eine Glühbirne stellt.
7. Du beim Drachensteigen eher in der Luft bist als Dein Drachen.
8. Du Deinen Klavierunterricht beenden musst, weil Du mit Deinen Fingern immer zwischen
den Tasten stecken bleibst.
9. Du in der Dusche dauernd hin- und her springen musst, damit Du nass wirst.
10.Wenn nicht Du die Enten, sondern die Enten Dich füttern.

Vielleicht noch zu guter letzt ein Zitat aus Alias Artikel:

“Das ist nämlich die gute, alte Ausgeglichenheit. Anstrengung ist gut, Muskeln sind toll, doch diese wollen gefüttert und auch manchmal mit Kalorienbomben am Leben erhalten werden. Das ist gesund. Das hat nichts mit fett oder schwach zu tun. Das ist das Leben, liebste Schutzpatronin aller Biologieklassenzimmerskelette und auch dessen Lookalikes. Wer lebt, der sieht eben nicht aus wie ein Skelett. Skelette haben mit dem Tod zu tun. Skelette jagen Kindern Angst ein. Skelette kann man sich zu Halloween ins Zimmer hängen. Doch so aussehen sollte ein lebendiger Mensch nicht.”

Meine Güte, eigentlich könnte ich einen ganzen Roman zu diesem Thema schreiben, aber ich befürchte, da würden mir dann doch langsam die Leser ausgehen… vielleicht folgt ja noch ein zweiter Teil zu diesem überaus wichtigen Thema, wir werden es sehen.

In diesem Sinne,

- Eure Viktoria

Kommentare»

1. Alia Lestrange - März 17, 2008

Hallo Viktoria,

dien Artikel ist wunderbar. Dass du Schmitti und mich auch noch so schön zitiertst, das ist wirklich sehr angenehmes Bauchpinseln. Ich denke, dass ich an dem Freitagnachmittag an dem ich meinen Artikel schrieb wohl einen Nerv getroffen habe. Bin sehr gespannt, was da noch folgt.

Ja, und auch ich kämpfe mit meinem Gewissen, meinen Erwartungen und Hoffnungen was mein Körper betrifft. Ich glaube das Korsett ist zwar physikalisch aus ger allgemeinen Mode verschwunden - aus dem Sichtfeld auf jeden Fall. Im Kopf bleibt es aber gnadenlos hängen.

Liebe Grüße

Alia

2. Viktoria - März 17, 2008

Hallo Alia!

Na, da freu ich mich aber auch über Deine Resonanz. :) Ja, ich hoffe, dass auch durch die Tags, die ich gesetzt habe, weitere Leute dazu kommen, diesen - und dadurch auch Eure Artikel zu lesen. Es wäre auf jeden Fall wünschenswert.

Das Korsett ist zwar ein wunderbares Accessoire, aber jeder Trägerin sollte klar sein, dass es nur eine ILLUSION ist, die es für ein paar Stunden hervorruft. Nicht mehr und nicht weniger. Leider begreifen wir das nicht.

Deine Viktoria

3. Existenzberechtigung für die Größen 34 und 36?! « Rot, röter, regentot. - März 18, 2008

[...] nach Größe 38 als Mindestmaß doch etwas stören. Nun sind mir aber das Schmitti und die Viktoria mit der anderen Seite der Geschichte, der MS, zuvorgekommen. Dazu möchte ich an sich auch gar [...]

4. Henna - März 26, 2008

mh. erstmal zustimmung. aber wenn ich mal idealistisch an das them rangehe. also: ich hab da eine freundin, die wiegt so um die 120 auf ca. 1,70. ich weiss auch, dass ihr das gesundheitlich noch gut geht, aber die tendez zum schlimmer werden ist da. sollte ihr überhaupt jemand sagen, dass das zuviel ist? die kann auch denken, die weiss das das über kurz oder lang gesundheitliche schäden bringt. aber darf sie nicht schön sein, sich nicht schön fühlen, weil es ungesund ist? meinetwegen kann sie sich so schön fühlen, sie mag ihr leben wie es ist. es ist ihr eigener körper. sie kann uneingeschränkt über ihren körper entscheiden. das ist zwiespältig, weil gerade bei magersucht etc. die kontrolle über den eigenen körper eine rolle spielt. wie gesagt, dass ist jetzt etwas idealistisch, aber in einer welt, in der niemandem vorgeschrieben würde, was schöns ein darf, würde es eventuell auch weniger ana-kram geben. bilde ich mir ein. jaja, das ist jetzt fiktiv, dahin werden wie nie kommen, dass wird ja doch nur schlimmer. aber vielleicht mal noch so als denkanstoss.

5. Juli - März 26, 2008

Hallo Viki:

Ich musste beim Lesen unweigerlich an einige meiner ehemaligen Mitschülerinnen denken, die ungefär seit ihrem 12. Lebensjahr ständig auf Diät waren um ihre Figur zu halten…War es jetzt gemein genüsslich vor ihnen meine Schokolade zu essen? ^^

Lg
Juli

P.S.: Das muss ich jetzt mal loswerden (vielleicht ist es dir auch schonmal so ergangen): Man spricht immer von der mangelnden Auswahl an Kleidung für Übergrössen. Als (körperlich) gesundes “zierliches Persönchen” musste ich mir allerdings zumindest hier in Spanien schon oft in einigen Läden anhören dass sie nichts oder nur bestimmte Kleidungsstücke unter 38 bzw. 36 haben…

6. Viktoria - März 30, 2008

@Henna: Klar, jeder hat die Freiheit, zu sein, wie er ist. Natürlich darf auch jeder schön finden, was er möchte. Aber ich finde es gefährlich, wenn Dinge als schön hochgehalten werden, die nicht gesund sind. In meinen Augen ist gesund einfach schön. Ungesund hingegen ist eben ungesund. Extrem dicke und extrem dünne Menschen tun sich damit ganz einfach nichts gutes, ganz im Gegenteil. Und das finde ich, darf man auch ruhig anmerken. Genau so wie man einem Raucher auch sagen kann, dass das, was er tut nicht gesund ist. Das weiß dieser auch. Trotzdem kann man es nochmal erwähnen. ;) Du sagst jemandem, der Drogen nimmt ja auch, dass es nicht gut ist. Und wenn eine Freundin sich ritzt, wirst Du ihr auch nicht sagen, dass ihre Schnitte einen schönen Kontrast zur weißen Haut bilden - auch wenn dem so sein sollte. Du wirst wissen, dass das, was sie tut eben nicht gesund ist.
120 kg bei 1,70m finde ich einfach vom gesundheitlichen Aspekt her bedenklich. Nicht vom ästhetischen. Doch wer den Magerwahn aufgrund seiner gesundheitlichen Risiken verurteilt, kann eben auch nicht das andere Extrem gut heißen.

@Juli: *g* da kannst Du ja mal bei Kommentar #3 den Link anklicken. Da dürfte jemand das selbe Problem haben, wie Du. ;)

Eure Viktoria

7. L'écureuil - Mai 21, 2008

Na gut, dann schreib ich doch mal was.
Ich als Mann find (zu) dünne Frauen überhaupt nicht hübsch.
Und bei Greys Anatomy ist sowieso die Kelly sexyer als alle anderen (mal von Addison, aber die zählt nicht).
Da ich mich gerade etwas auf Body Modification Seiten rumgetrieben hab muss ich sagen, dass es einfach einige Menschen gibt, die ein merkwürdiges Körpergefühl oder -verständnis haben.
Wenn einzelne krankhaft dürr sein wollen und sich dabei wohl fühlen, dann sollen sie das meinetwegen machen. Entsprechendes gilt für Leute, die meinen sie bräuchten gewisse Körperteile nicht.
Aber die allgemeine Akzeptanz, bzw. sogar Verherrlichung krankhaft dünner Frauen ist einfach furchtbar. Man könnte eigentlich noch einen Vergleich zum Alkohol ziehen. Das ist bei uns akzeptiert, wird totgeschwiegen, wird verherrlicht und stiftet junge Menschen an, die ihren Konsum überhaupt nicht kontrollieren können. Sie können nicht einschätzen, was sie sich antun.
Aber, um wieder auf das ursprüngliche Thema zu kommen, so sieht es heute einfach aus. Es wird einem ein Bild von “Schönheit” vermittelt, an das man unmöglich rankommt. Selbst die Stars sehen ja nicht wirklich so aus, sondern halt nur bei besonderen Events, für Fotos oder bei Filmen. Das übertrieben Dünne ist einfach nur die Spitze des Eisbergs.