jump to navigation

Feminismus - das Schimpfwort April 1, 2008

Posted by Viktoria in Mad World.
Tags: , , , , , , , , , , ,
trackback

In den letzten Tagen habe ich zuweilen hohen Blutdruck bekommen, als ich mich in der Bloglandschaft herumgetrieben habe. Was ich da so lesen durfte… ich finde es ja immer wieder prikelnd, wenn irgendwelche Sündenböcke aufgetrieben werden, denen man jeden Mist, der politisch oder gesellschaftlich fabriziert wird, in die Schuhe schieben kann. Meistens richtet sich das dann ziemlich stumpf gegen irgendwelche Gruppen. Ja, “alle”, die dieser Gruppe angehören, sind es Schuld. Dieses Prinzip ist schon ziemlich alt. Und es ist gerade mal 1/2 - 3/4 Jahrhundert her, dass dieses Prinzip auf den Gipfel gebracht wurde. Wir wissen “alle”, was damit gemeint ist.

So, eigentlich könnte man nun davon ausgehen, dass die Geschichte, nein, dass wir selbst, wir Menschen uns eine Lektion erteilt haben, eingesehen haben, dass man differenziert beurteilen muss. Und dass es nichts bringt, Gruppen kollektive Eigenschaften zuzuweisen. Erst recht nicht dann, wenn diese Gruppen individuelle Ausprägungen einer Ideologie zulassen und erwünschen. Dies ist ja nicht immer gegeben, nicht jede Ideologie will ein Individuum - siehe rechts.

Daher bin ich wirklich erschüttert darüber, wie sehr der Feminismus in - von Männern geführten - Blogs für alle möglichen politischen Zustände herhält! Ein beispiel hierfür ist die Wehrpflicht, die ich auf einem Blog als Ausgeburt einer feministischen Politik bezeichnet gesehen habe. Wer sich den Schwachsinn gönnen will: voilá , sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt. Und wer sich vielleicht auch noch den ein oder anderen Artikel auf diesem überaus durchdachten Blog durchliest, wird vielleicht auch verstehen, weswegen ich hohen Blutdruck bekommen habe. Im Grunde habe ich auch mit mir gehadert, ob ich sowas überhaupt verlinken soll. Aber ich möchte nicht, dass man mir die Polemik vorwirft, die ich anderen unterstelle.

Zur Wehrpflicht kann ich nur sagen, dass ich sie nicht befürworte. Und dass ich es auch nicht gleichberechtigt finde, dass Männer müssen, Frauen dürfen. Nein, es sollte hier anders zugehen. Die Bundeswehr halte ich zwar nicht für überflüssig, aber es wäre ergiebiger, auf lange Sicht, wenn es auf freiwilliger Basis wäre. Aus verschiedenen Gründen, aber es würde zu weit führen, diese auszubreiten. Wer überlegt, kommt wahrscheinlich von selber drauf.

Jedenfalls verstehe ich einfach nicht, weshalb wir Frauen, nein, der Feminismus Schuld an der Wehrpflicht sein soll. Wo ist da bitte der Zusammenhang? Die angeführte Argumentation weicht von meinem Logikverständnis massiv ab. Ich hab eher das Gefühl, dass es sich hierbei wieder einmal um eine Projektion handelt, die nur darauf abziehlt, den Fehler nicht bei sich zu suchen. Denn es geht ja nicht nur um Wehrpflicht sondern auch um die Frauenquote, die Männern zunehmenst schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt einbringen. Früher waren es die Ausländer, die dem deutschen Mann seinen Arbeitsplatz vermeindlich klauten. Heute sind es die Frauen. Die eigenen Kompetenzen überprüfen, ist zu viel verlangt, wahrscheinlich. “Ich reg mich net uf”, zitiere ich hier mal frei einen hessischen Männerrechtler. Doch gelesenes grenzt an Misogynie. So habe ich es jedenfalls empfunden.

Und ich frage mich, wieso ein Teil der Männer nicht auf sachlicher Ebene für ihre Rechte kämpfen kann. Ich sage nicht, dass alle Feministinnen das immer getan haben. Bei weitem nicht. Doch zeugt es nicht gerade übermäßiger Intelligenz, mit den selben Waffen, die man vorher noch verurteilt, zurück zu schlagen. Ich stelle mich auch nicht als Opfer des Patriarchats hin, was von Männern nur unterdrückt wird und am besten noch einzig und allein als Objekt wahrgenommen wird. Ein Punkt, der bei feministischen Argumentationen oft kritisiert wird. Frage: Wieso argumentiert man denn dann genau so, und stellt sich als männliches Opfer einer “feministischen Diktatur” dar? Da bin mit meinem Latein am Ende.

Jedenfalls scheint sich der Begriff “Feminismus” in bestimmten Kreisen zu einem Schimpfwort mit Kultcharakter etabliert zu haben. Applaus, applaus: Es lebe die Polemik!

- Eure Viktoria

Kommentare»

1. Henna - April 3, 2008

huhu liebe viktoria.

also ganz abgesehen, dass ich in den meisten punkten sowieso mit dir übereinstimme ist die kritik an ‘dem’ feminismus ohnehin schwachsinn, weil: feminismus hat sich nie in einer partei oder so organisiert. ja, es gibt parteien, aber die sind nicht stellvertretend für feminismus. feministische diskurse haben sich nie der illusion hingegeben universal zu gelten. klar, dass der deutschen mittelklasse frau andere dinge auffallen, als vielleicht einer schwarzen frau in texas, oder einer frau irgendwoanders auf der welt, anderer sozialer herkunft, vor einem anderen kulturellen hintergrund, mit anderer sexueller orientierung. feminismus ist in meinen augen eine sehr individuelle angelegenheit. das ist flug und segen. es gibt keinen feminismus den es nicht geben kann, ob rechts, ob links, ob queer oder sonstwas. aber diejenigen, die sich angesichts eigenes unvermögens an ‘dem feminismus’ abkämpfen müssen, widme ich hiermit ein müdes lächeln. wehleidiges opfergebaren ist, meiner meinung nach, eines der typischsten reaktionen von männern, wenn es an die gleichberechtigung geht. und das meine ich gar nicht so polemisch wie es klingt. da muss man sich nur mal das manndat programm durchlesen. prost.

2. Viktoria - April 6, 2008

Hi Henna!

So schaut es nämlich aus…

Deine Vicky

3. Frederik - April 20, 2008

Nein, meine Damen, es ist keine Opferhaltung der Männer, sondern es ist doch eine Tatsache, daß Männer Wehr- oder Zivildienst ableisten müssen, während Frauen davon ausgenommen sind.
Ein eindeutiger Nachteil, der sich vor Jahren bei einer 18-monatigen Wehrpflicht deutlich auf das spätere Beufsleben ausgewirkt hat.
Feministische Diktatur ist sicher der falsche Begriff, aber Sie werden zugeben müssen, daß die Position der Frau heute recht komfortabel geworden ist.
Bereits bei der Gewalt gegen Frauen ist der Mann von vornherein der Verlierer, genauso wie im Sexualstrafrecht.
In beiden Fällen ist der Mann so gut wie vorverurteilt.
Daß auch Frauen zur Gewalt fähig sein können, scheint außerhalb jeglicher Vorstellung zu liegen.
Genauso wie es nur männliche Kinderschänder zu geben scheint und neuere Untersuchungen inzwischen ergeben haben, daß nicht nur Männer kleine Mädchen, sondern auch ein ganz erheblicher Teil der Frauen sich an kleinen Jungs vergehen.
Auch bei den Erziehungsmethoden waren die Männer stets im Nachteil. Während meine Lehrerinnen geradezu mit endloser Großzügigkeit Jungs wegen Kleinigkeiten durchgeprügelt haben, bestand eine ausgesprochene Zurückhaltung gegenüber Mädchen.
Als Junge hatte man so etwas einfach zu ertragen, während für Mädchen Prügel fast nicht vorstellbar waren.
Natürlich gibt es genug männliche Gewalttäter, die Frauen tyrannisieren und prügeln und ich bin voll damit einverstanden, daß Gewalt in jeder Form bestraft wird.
Nur, es sind nicht nur die Männer.
Genauso wie Männer können Frauen oder Mädchen schwächere Jungs mißbrauchen, prügeln und quälen wie es umgekehrt der Fall ist.
Wenn man die eine Seite sieht, sollte man die andere nicht völlig unterschlagen.
Sexuelle Belästigung ist auch von Frauen möglich, nur wird dem Mann niemand galuben. Aber es kommt öfter vor als man glaubt und kaum ein Mann wird deshalb Anzeige erstatten.
Daß Jungs in der Schule schlechter abschneiden liegt vielleicht auch daran daß es fast nur noch Lehrerinnen gibt.
Es kann aber auch nicht im Sinne des Erfinders liegen, daß
männliche Jugendliche mangels vernünftiger Ausbildung nur noch die Alternative haben werden, die Damen in ihren Sänften durch die Gegend zu tragen, weil sie für andere qualififizierte Berufe zu dumm sind.

4. Viktoria - April 20, 2008

Hallo Frederik,

von dem Standpunkt aus, den Sie vertreten ist das Leben als Frau durchaus konfortabel. Aber eher, weil Frau aus irgendwelchen Gründen noch “geschont” werden soll. Es liegt nicht daran, dass man es ihr so angenehm wie möglich machen will, sondern dass man ihr bestimmte Dinge nicht in dem Maße zutraut, wie den Männern. Es hat also mehr was mit Bevormundung zu tun. Ob jede Frau jetzt geschont werden will, das halte ich nämlich für fraglich. Gewiss gibt es welche, die sich den Feminismusschuh anziehen, wann immer er zum restlichen Outfit passt, wenn es dann aber anstrengend wird, wieder ihren Schatzi darum bitten, die schweren Taschen zu schleppen und plötzlich garnicht mehr so gleichberechtigt sein wollen. Denn Rechte gehen schließlich auch immer mit Pflichten überein.

Wie ich in meinem Artikel schrieb, finde ich die Wehrpflicht auch alles andere als sinnvoll und sie entspricht auch nicht dem, was ich als Gleichberechtigung empfinde, weil die Männer einfach benachteiligt werden. Das ist nicht fair.

Bei den Gewalttaten greift einfach wieder der Fakt, dass Frauen in diesem Bereich partout unterschätzt werden, ihnen wird sowas nicht zu getraut, sie sind dazu garnicht in der Lage. Aber das ist ein gemeinhin gesellschaftliches Denken, von dem man sich loslösen muss. Frauen sind nicht die Heiligen. Ich denke auch, dass man häusliche Gewalt von Seiten der Frauen nicht unterschätzen darf! Fakt ist aber, dass eben viele Menschen dann eher dem Mann unterstellen, ein Weichei zu sein, statt die Frau zu verurteilen, weil sie misshandelt. Das wird wirklich vollkommen unterschätzt. Aber da muss eben ein allgemeines Umdenken geschehen. Dafür bin ich jedoch nicht zu ständig, sondern jeder für sich. Wobei ich auch denke, dass in der Justiz da ebenfalls ein Umdenken stattfinden muss.

Über Prügelstrafe brauchen wir glaube ich garnicht weiter zu diskutieren, dass Jungs früher vor allem zu Härte erzogen wurden und Mädchen zu Güte, sollte eigentlich überholt sein. Und dass man Kinder systematisch als Erziehungsmaßnahme schlägt, sowieso.

Was ich in meinem Artikel angeprangert habe ist, dass man den Feminismus dafür verantwortlich macht. Für ein antiquiertes Denken, welches damit zusammen hängt, dass man Frauen einfach nicht für fähig hält, gewisse Dinge zu tun. Es ist ja nicht so, dass wir Frauen geschlossen verlangen würden, dass Männer ihre Pflicht, das Vaterland zu verteidigen, erfüllen sollen. Ganz im Gegenteil.

5. Frederik - Mai 30, 2008

Hallo Viktoria,

danke für die ausführliche Antwort. Im Prinzip sind wir uns einig.
Es findet meines Erachtens nur ein Gleichziehen in vielen Bereichen statt. Dies ist sicherlich auch eine Auswirkung der Emanzipation.
Mit steigender Aufholjagd ziehen natürlich Frauen und Mädchen im Bereich der Gewalt gleich.
Sicher hat es auch mit allgemeiner Bevormundung der Frauen zu tun, wenn sie nach wie vor in bestimmte Rollenklischees gedrängt werden.
Andererseits findet durch die steigende Tätigkeit von Frauen auch ein Wechsel in der Berufswelt statt, die sicherlich im allgemeinen zu einer Verbesserung führt.
Ich empfinde die Zusammenarbeit im Berufsleben mit Frauen in Führungspositionen in aller Regel angenehmer und unkomplizierte als mit Männern.
Recht haben Sie insoweit daß Wehrpflicht und Feminismus mit einander nichts zu tun haben, zumal die Wehrpflicht eine typisch männliche Erfindung ist.

6. Juliane - Juni 13, 2008

Ganz so toll ist die Position von uns Frauen auch wieder nicht. Nach wie vor bringen wir Frauen die Kinder zur Welt und meistens ziehen wir sie auch noch groß und verlieren dadurch sehr oft den Anschluss ans Berufsleben.
Frauen werden nach wie vor im Durchschnitt deutlich schlechter bezahlt und selbst bei gleicher Bildung werden Männer auch in gut bezahlten Berufen eher bevorzugt, als benachteiligt.
Die Arbeitgeber fürchten einfach den Ausfall wegen der Schwangerschaften.
Die Zwangsdienste, von welchen immer die Rede ist, besteht doch wirklich nur in der Wehrpflicht und die Wehrpflicht ist ganz sicher keine weibliche Erfindung.
Ginge es nach der Mehrzahl der Frauen, dann wäre sie schon längst abgeschafft.
Daß junge Männer uns Frauen in der Sänfte tragen müssen, ist für mich als Frau leider nur ein Wunschtraum. Dagegen hätte ich da wirklich nichts, aber ich glaube kaum, daß sich Männer zum Zwangsdienst unter unsere Sänften zwingen lassen.
Ich wüßte auch kaum, wie wir Frauen junge Männer zu solchen Zwangsdiensten zwingen sollten.
Und eine Verschwörung von uns Frauen gegen die Männer kann ich jetzt nirgendwo erkennen.
Die allermeisten Führungspositionen sind von Männern besetzt und die Männer geben doch ganz wesentlich den Ton an.
Und wo die Versklavung der Männer durch uns Frauen stattfinden soll, habe ich bis jetzt noch nicht gesehen.
Rein theorethisch wären Sklaven sicherlich eine ganz praktische Angelegenheit, aber wie sollen sich Frauen gegenüber männlichen Sklaven auf Dauer überhaupt durchsetzen?
Ohne männliche Hilfskräfte könnten wir Frauen von vornherein keine dauerhafte Sklavenherrschaft über Männer ausüben.
Gerade so wie ich die Männer kenne, würden es sich die wenigsten bieten lassen, daß wir sie auf das Niveau von Sklaven degradieren.
Irgendwo kommt mir die ganze Diskussion so vor, als ob sie von männlichem Selbstmitleid übersteuert wäre.
Wenn mir ein Mann ernsthaft darlegt, wo er von uns Frauen diskriminiert oder gar unterdrückt wird, bin ich gerne bereit, darüber zu diskutieren, aber nur über Selbstmitleid und Vorurteile läßt sich nun einmal nicht diskutieren.
Ich kenne übrigens auch keine Feministin, die für die Versklavung der Männer eintritt.
Daß manches auch von feministischer Seite stark überzogen ist, möchte ich auch gerne zugeben.
Aber niemand denkt doch im Ernst daran, die Männer zu unseren Sklaven zu machen.
Man könnte fast meinen, wir sind im alten Rom und beklagen uns über die hohen Sklavenpreise auf dem Markt. :)

7. Viktoria - Juni 21, 2008

Hallo Juliane!

Also im Großen und Ganzen kann ich Dir da ja eigentlich auch nur zustimmen! :) Ich habe jetzt nicht so ganz verstanden, ob Du Deinen Kommentar jetzt vollkommen auf meinen Artikel, oder den verlinkten Artikel beziehst, denn ich sehe das mit der Lage der Frau, die leider noch nicht mit der des Mannes gleichgestellt ist, genau so wie Du.

Einen lieben Gruß,
Deine Viktoria

8. Henna - Juli 9, 2008

der artikel und die kommentare sind nun schon etwas gereift, aber ich würde gerne etwas hinzufügen.
genderaufträge wurden in der vergangenheit von männern gemacht. das, worüber frederik sich erklärt hat auch mit der ‘weiblichen’ rolle an sich zu tun, aber im mindestens genausoviel mit dem was mensch sich unter einem ‘maskulinen’ rollenverständnis vorstellen darf. wennselbiges also tatsächlich in einem derartigen ausmaß zu lasten männlicher menschen gehen würde, warum gibt es dann keine, ich sage KEINE halbwegs erfolgreiche, d.h. zahlenmäßig stark vertretene männergruppierung, die sich ihrem rollenklischee kollektiv zu verweigern sucht? eben. weil die privilegien überwiegen. was, und das wurde schon geschrieben, aber ich schreibe es nochmals, landläufig ‘dem feminismus’ in die schuhe geschoben wird ist - meiner ansicht nach - ein anachronistisch versteiftes ‘männliches’ rollenverständnis, dass sich - im gegensatz zu seinem ‘weiblichen’ äquivalent - offenbar beleidigt, weil es seine sex(hier! gender und so!)-uelle revolution absolut verpennt hat, auf eine nölige blockadehaltung besonnen hat. und das war ein mörder satz. wo is der pulitzer?