Klappe die Zweite: Pädagogikklausur

… oder das gefühlte Grauen.

Am Freitag stand meine Pädagogikklausur an. Ich war davor eigentlich ziemlich entspannt gewesen. Von Aufregung eigentlich keine Spur, die Englischklausur war ja eigentlich auch so gewesen, wie jede andere auch. Kein Grund zur Panik. Dachte ich.

Aber nein, es kam doch alles ganz anders.

Ok, ich hatte auf Lücke gelernt. Ich hatte mich vorbereitet auf Erikson, Waldorf, Montessori, Jugendkrisen nach Hurrelmann, Symbolischer Interaktionismus nach Mead und das Rollenkonzept nach Krappman. Desweiteren noch auf Theorien zur Entstehung von Gewalt. Außenvor habe ich die Psychoanalyse nach Freud, Geschichte der Kindheit, systhemische Therapie, Piaget und das Schulsystem nach 1960 gelassen. Ich glaube das wars. Jedenfalls war ich mir sehr sicher, dass etwas von dem, was ich gelernt habe schon noch drankommen wird. Dem war auch so, mein Glück.

Ja, die Klausur schien auf den ersten Blick perfekt zu sein. Gegeben war ein Text über die Amokläufe in Erfurt und Emsdetten und die jeweiligen Täter. Anwenden sollte man die Theorien von Krappmann und Hurrelmann. Soweit so gut, die konnte ich ja. Das Problem war die äußerst beschissene Art der Aufgabenstellung. Ist es normal, dass man diese ersteinmal umschreiben muss, um zu begreifen, was eigentlich verlangt ist? Zudem gab der Text in meinen Augen nicht allzu sehr Brauchbares her, um darauf die Theorien anzuwenden, also habe ich mir munter was aus den Fingern gezogen, in der Hoffnung, das irgendwas davon schon im Erwartungshorizont stehen wird.

So habe ich mir meine Abiklausur nicht vorgestellt. Und ich habe auch wirklich kein gutes Gefühl, bei dem, was dabei rumgekommen ist. Während der Klausur haben sich daher allerlei Gedanken in meinem Hirn manifestiert. Ja, der Text über die beiden Amokläufer hat mich doch ein wenig zum Nachdenken gebracht. Ich frug mich, was es für Schlagzeilen geben würde, wenn eine Abiturientin Amok liefe, nachdem sie die Klausur zu den Amokläufern bearbeitet hatte. Des weiteren konnte ich es mir nicht verkneifen, laut vor mich hin zu murmeln, wie sehr ich mich doch schon auf meine Nachprüfung freute. Oh ja, es war doch eine ganz erfreuliche Angelegenheit. Wie gut, dass ich mit einer glatten 3 schon in die Nachprüfung komme.

Und ein wenig Zynismus am Rande, auch dieser begleitete mich während der Bearbeitung der Klausur: Der Verfasser des Textes geht davon aus, dass Amokläufer mit ihrer Tat auf posthumen Ruhm hoffen. – Tja, den haben sie wohl auch bekommen. Und das nicht zu knapp. Nicht jeder kann von sich behaupten, Thema eines Zentralabiturs zu werden. Meine Herrn…

Wer sich den Artikel durchlesen möchte: Martin Altmeyer: Ich hasse, also bin ich Im Abitur war dieser natürlich gekürzt.

4 Antworten

  1. Na, das klingt ja vielversprechend… also das mir dem gebildeten Amoklauf. ;) Vorsicht, dass das hier niemand liest und Dich aus der nächsten Abiklausur rausholt, solltest Du wieder vor Dich hinmurmeln.

    Liebe Grüße von einer,
    die kurz ihr „Gewaltspiel“ zum Lesen unterbrochen hat :D

  2. Hab ich etwa von mir gesprochen? Aber nein… und vor mich hingemurmelt habe ich ja nur was von der Nachprüfung ;)

    Jetzt bleibt nur noch Bio zu schreiben, dann bin ich von den schriftlichen Prüfungen erlöst! :)

  3. Hey, das wird schon Ok sein, so wie du es gemacht hast. Kopf hoch… :) ….viel Glück für Bio!
    Ein sehr schöner Blog

  4. Und das Textchen musste als Abitur-Pseudoinszenierung herhalten zum Thema „Pädagogik“ …!

    Ja, genau:
    Der vollständige Text aus der taz, der eitel aufgeblasene Begriffe benutzt und die völlig diffuse selbstzerstörerische Tat von Suizid-Helden aufmotzt als „durchchoreografierte“, künstlerische Inszenierung eines „Selbstbildes“.

    School-Shooting ist makaber-hilflose Wut, Gewalt; ist keine irgendwie bemerkenswerte Identifikationsleitung eines Individiuums nach schicken Sprüchen, wie „Ich hasse, als bin ich“; ist vielmehr medial fehlgeleiteter, waffentechnischer Zerstörungsakt unter modern-asozialen Gesellschaftsvorbild, ohne Gewissensbildung oder Selbstreflexion, ohne Verantwortung. Sind hilflose Negation wie tausendjahre alte erlaubte, gezüchtete, christlich geweihte Militärdressur oder faschistischer Alltag – eben nur noch im elitären Versuch desselben Tötungs- und Tod-Modus.

    Die von M: Altmeyer missbrauchten Begriffe “performativer Vollzug der Gewalt“ oder „reflexive Identitätsbildung“ sind sozial irrelevante Symptome dafür, dass hier ein chick-verwirrende, begrifflich verschmierte Ablenkung von klassisch-sozialisationsteoretischen Erkenntnissen exerziert wird.

    So kommen gesellschaftliche Grundlagen der post-sozialen Fehlentwicklungen durch mangelnde Erziehungsbereitschaft, schulische Desorganisation (Schmähung, Isolation, Aussonderung, Missachtung, pädagogisch kultiviertes Mobbing….), und technische Hypertrophierung nicht in den analytischen Blick; davon wird abgelenkt, die Faktoren werden abgewehrt, so dass nur eine Verurteilung von Außenseitern und Störeren und Gewalttätern (den Bösen an sich) proklamiert wird, aber keine Analyse von pathogenen Faktoren, von technischen und medialen Enthemmungen, keine substantielle Veränderung von sozialen und materiellen und medial-technischen Bedingungen angestrebt, geschweige denn als Leistungen in einem schulischen „Reife“-Prozess diskutiert werden kann.

    Hier sind Abitur-Auswahl- und Bestimmungs-Helden am Werk (nach 30 Jahren Pädagogik-Schulfach-Entwicklung in NRW…), die mit dreist eingeschmuggelten Sozial-Begriffen eine dreiste-dumme-bösartige Inquisition von irgendwie „angeborenen Gewalttätern“ betreiben wollen.

    Das ist wohl als schulpolizeiliche Abschreckung gedacht.

    Aber wer hier – unter solchen Anforderungen und „Aufgaben“ – in der Jg. 13 Abi macht, hat eine solche mental oder körperlich destruktive Entwicklung hinter sich (hat sie vermeiden können), ob als Leistungsverweigerer, Fascho-Schreihals, Suizidant, dope-Sportler, Alk- oder Betäubungsmittel-Konsument – oder auch als essgestörtes Blag oder nur als psychosomatischer Krüppel.

    Die Herrschaften dieses Begriffswirrwars haben sich aus der Kiste der Sozialwissenchaften ihre beliebigen Launen und Lüste der Eigen-Dominanz gespeist.

    Das aufgegeilte Micky-Maus-Methode…?

    „Ich mach, was ich will, weil ich nicht zum Prekariat und nicht zu den Benachteiligten oder Aussortierten gehöre. Und das wil ich mir von der Gesellschaft finanzieren lassen: ‘Ich bin, was ich mir extravagant und modisch und neokonservatisch selektiert habe aus den oberklasse Preziositäten.“

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