Es ist wirklich unglaublich, was manche Menschen, vorzugsweise Frauen, für Geld so alles tun. Natürlich, das Geschäft mit dem Körper ist schon immer lukrativ gewesen. Wenn man gut aussieht, sowieso. Dennoch, gibt es Grenzen, möchte ich meinen. Naja, ich will mich nicht als Moralapostel aufspielen. Soll doch jede Frau nach ihre Facon glücklich werden.
Dennoch musste ich vorhin irgendwie schlucken, als ich gelesen habe, dass Gina-Lisa, die am Donnerstag bei „Germany’s Next (Schrot)topmodel“ rausgeflogen ist, nun als Nacktputze arbeiten wird… Oo Bitte?! Wie erbärmlich ist denn das? Sich in Dessous in den Wohnungen und auf den Partys irgendwelcher Männer zu räkeln und dabei mit einem Wischmopp zu wedeln und ein Hemd bügeln. Ich finde das wirklich hochgradig peinlich und… ja, ein Hauch von Sexismus liegt dem schon inne, wenn eine Frau sich in dieses alte Rollenklischée hineinbegibt, ihm auch noch eine erotische Note gibt um damit die Herren der Schöpfung aufzugeilen.
Wie gesagt, mir kann es eigentlich egal sein, was diese Frau gedenkt zu tun, aber ich finde es traurig, wenn man sich mit offenen Armen so entwürdigen lässt, wo mehr oder minder seriöse Angebote bestimmt nicht lange auf sich warten gelassen hätten. Wenn sie damit glücklich wird, ich kann darüber nur den Kopf schütteln.
Vor allem, weil sie in gewisser Weise auch ein Vorbild für Mädchen ist. Bestimmt. Gina-Lisa kam nie, wie die typische Tussie aus Luxusverhältnissen rüber, nein, sie hatte etwas prolliges, etwas „lebensnahes“ an sich, mit dem sich bestimmt Mädchen aus niedrigeren Verhältnissen identifizieren konnten. Der Fakt, dass sie nun über diese Schmuddel-Schiene versucht, sich hochzuarbeiten, vermittelt diesen Mädchen doch, dass es der einzige Weg für eine Frau ist, etwas zu erreichen, vor allem eben, wenn man sich über sein Aussehen definiert.
Den Artikel der Bild dazu, findet Ihr hier: Bild
Eure Viktoria
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*lach* Was für eine Karriere. Soll Gina-Lisa putzen, wie sie will und wo sie will. *räusper* Auch in dem „Outfit“, welches ihr für diesen Job angemessen erscheint. Genau genommen ist es ja schön, dass sie überhaupt in der Lage ist, Geld zu verdienen.
Was mich ärgert oder deprimiert ist die Tatsache, dass Frau mit dieser Art von „Arbeit“ mehr Geld verdienen kann oder wird, als es die „normale“ Frau je schaffen wird.
Hm… also ich sehe das wirklich was kritischer. Muss man wirklich jeden Job annehmen? Also ich würde für kein Geld der Welt für irgendwelche Männer in Dessous putzen! Und die Tatsache, dass eine Frau, die zumindest ein wenig Medienpräsenz hatte und bestimmt auch andere Angebote bekommen hätte, sich zu sowas hinreißen lässt, macht mich schon traurig. Wäre ja traurig genug, wenn sie darauf angewiesen wäre. Dem ist ja nicht mals so! :/
Deine Viktoria
Ich habe es vor einigen Jahren sehr viel kritischer gesehen. Ich habe mich dumm und dämlich geärgert und gesehen, dass sich die Welt nicht ändert, nur weil ich mich ärgere. Seit ich diese – und so viele andere Dinge – mit dem nötigen Abstand betrachten kann, geht’s mir einfach besser.
Zu deiner Frage: Nein – man muss nicht jeden Job annehmen. Ist in meinen Augen eine Frage von Stolz. Und ehe ich so etwas machen würde, würde ich lieber putzen gehen.
Nur, weil ich Gina-Lisa nicht in der Luft zerreisse heißt es ja nicht, dass ich damit einverstanden bin oder es selber tun würde.
Nachtrag: Als ich im ersten Kommentar schrieb:
„Was mich ärgert oder deprimiert ist die Tatsache, dass Frau mit dieser Art von “Arbeit” mehr Geld verdienen kann oder wird, als es die “normale” Frau je schaffen wird“,
bezog ich das auf die Signalwirkung. Den Mädchen/Frauen wird damit nicht gezeigt, dass es erstrebenswert ist, geistige Leistung zu erbringen und die Karriereleiter durch Wissen nach oben zu klettern. Diese „Vorbilder“ suggerieren lediglich „Zieh die Klamotten aus – je mehr, desto besser.“
Wenn du es so siehst, ist Gina-Lisa aber lediglich jemand, der genau auf diesen Trend aufgesprungen ist. Sie hat ihn nicht verursacht. Dafür tragen andere Leute die Schuld.
nö, verursacht nicht, aber das wäre ja eine endlos-diskussion. g.l. trägt solche mechanismen ja aber zweifelsohne weiter, sicher auch nicht als einzige, aber muss ja nich sein.
also ich seh das bisschen anders.
männer tun auch ganz schön viel für geld. da aufgrund gesellschaftlicher verhältnisse für die frau der körper (leider) oft noch das größte kapital ist, kann sie eben viel verdienen mit sexarbeit, strippen oder eben wahlweise nackt putzen (was ich auch unter sexarbeit fassen würde, hängt ja auch oft mit nem fetisch zusammen..).
und wenn mensch für selbstbestimmung und emanzipation ist, warum darf dann eine gina-lisa mit ihrem körper -und vor allem ihrer zeit- nicht machen, was sie will?? und warum muss gerade sie eine „vorbildfunktion“ einnehmen, während der typ von nebenan in einem traditionell männlichen bereich toll verdienen darf??
außerdem glaube ich, dass die empörung über sowas oft daher rührt, dass sich eine frau eben nicht so angemessen und normgerecht benimmt, wie sich das für eine ‘ „normale“ frau’ gehört. was „entwürdigend“ für sie ist, darüber hat sie ja wohl alleinige definitionsmacht! und andere putzen täglich für ihre typen, ohne auch nur einen penny zu verdienen, gut bezahlte hausarbeit (gina-lisa: 200 euro für 1-3 stunden,wow!) kann da ja schon fast als feministisch verstanden werden.
aber zum nackt putzen habe ich letztends auch einen interessanten erfahrungsbericht gelesen,viel spass dabei:)
http://www.hobostripper.com/530/when-the-stripping-sucked/
Es geht mir darum, dass Gina Lisa den Eindruck vermittelt, eine Frau könne eben am besten über ihren Körper Geld verdienen. Gut, beim Gehalt, was Damen aus der Branche verdienen, mag manche Akademikerin neidisch werden.
Aber das sollte nicht erstrebenswert sein. Ein Mensch sollte sich in erster Linie über sein Intellekt behaupten können, nicht über seinen Körper. Das ist meine Meinung, die gewiss auch durch meine Sozialisation (und nicht durch die Medien!) geprägt ist.
Was mich eben vorallem an dieser Sache gestört ist, ist der Aspekt der NacktPUTZEREI. Das finde ich, ist an der gesamten Sache noch das entwürdigenste. Nach meinem Empfinden. Dass Frau sich da in Dessous vor den Mann stellt und putzt. Somit einem althergebrachten Rollenanspruch genügt und gleichzeitig noch den optischen Bedürfnis des Betrachters befriedingt. Da fallen mir wirklich keine Worte zu ein.
Gewiss, andererseits kann Gina Lisa machen, was sie möchte. Sie ist alt genug. Aber mir kann keiner sagen, dass eine Frau, die nackt putzen geht wirklich emanzipiert ist.
Was normgerechtes Auftreten angeht, so bin ich da wirklich nicht so hinterher. Ich hatte schon immer viel mit anders denkenden Menschen zu tun, vor allem aus dem sozialistischen Lager. Ich selbst würde wohl auch in vielerlei Hinsicht nicht als normenkonform gelten.
Was mich eben so ankotzt ist dieses Spiel mit dem Sex. Die Überpräsenz von instrumentalisiertem Sex in den Medien. Und Gina Lisa ist da ein Teil von.
Als Vorbild sehe ich sie, weil sie eine gewisse Sorte von Mädchen repräsentieren kann – besser als der „Typ von nebenan“
aber es ist doch einfach traurige realität, dass frau am besten über ihren körper geld verdienen kann!
„Aber das sollte nicht erstrebenswert sein. Ein Mensch sollte sich in erster Linie über sein Intellekt behaupten können, nicht über seinen Körper.“ warum ist das prinzipiell nicht erstrebensewert? hast du dann auch was gegen sportler_innen, handwerker_innen, baletttänzer_innen, etc? also ich finde, idealerweise sollte niemand nach seinem körper(der nicht 100%frei wählbar ist,siehe geschlecht,hautfarbe,gewicht,..) bewertet werden, aber warum sollte mensch den körper nicht nutzen dürfen?
und dass die frau in der familie (also für und vor dem mann putzt) ist doch alltägliche realität. verstehe nicht ganz, was dich da so schockiert? vor allem weil da sogar ein bruch traditioneller realität stattfindet, eben dadurch, dass wenigstens richtig gut bezahlt wird!
und klar ist sie wohl nicht umbedingt feministisches vorbild (außer deinem eintrag weiss ich auch nichts von ihr), aber wenigstens geht sie selbstbestimmt mit ihrem körper um und lässt sich nicht von blöden normen vorgeben,wie sie ihr geld normal verdienen kann.
entgegen mainstream-vorstellungen von der sex/erotic-arbeiterin als passives opfer geht es gerade bei (selbstbestimmter!) sexarbeit (laut vieler sexarbeiterinnen auf jeden fall)darum, die eigene sexualität zu entdecken, eigene grenzen zu erfahren, zu setzen und auch nein sagen zu lernen. da könnte sich so manche romantische zweierbeziehung bei der aushandlung von sexualität durchaus noch was abschauen.
Hallo Cyborg,
endlich komme ich wieder dazu, Dir zu antworten.
Also einerseits denke ich, dass wir diese Diskussion ins Absurde führen können. Aber das wollen wir bestimmt nicht. Fakt ist aber, dass wir die Sache von zwei verschiedenen Blickwinkeln aus angehen.
Zunächst danke ich Dir für den Link, der liest sich interessant.
Was den Vergleich zu Menschen aus dem sportlichen und handwerklichen Bereich angeht, so zieht der in meinen Augen nicht. Auch wenn, da hast Du recht, SportlerInnen und HandwerkerInnen ihren Körper einsetzen, so haben durchaus auch kognitive Fähigkeiten, Talente und eine Ausbildung/Training etwas mit ihrer Tätigkeit zu tun. Dies sehe ich bei Arbeit mit Sex nicht so. Wenn man vielleicht von Soft Skills wie Charisma und Kommunikationsfähigkeit absieht. Aber da muss man nicht unbedingt etwas für lernen.
Wie dem auch sei, im Grunde möchte ich mich hier auch garnicht als Moralapostel aufspielen und Leuten vorschreiben, wie sie ihr Geld verdienen sollen. Ich finde es nur traurig, wenn junge Frauen meinen, nur über die sexuelle Schiene mit ihrem Körper an Geld zu gelangen.
Aber im Prinzip ist es ihre Entscheidung und das macht sie als Menschen sebstverständlich auch nicht weniger Wert!
Vor allem natürlich, habe ich nichts gegen diese Arbeit, wenn Frauen sich bewusst für sie entscheiden, um beispielsweise ihre Sexualität zu erforschen oder in einer Form auszuleben, wie es sich eben anbietet. Für mich wäre das zwar nichts, aber das kann ich voll und ganz respektieren. Gina-Lisa macht auf mich aber eher den Eindruck, dass sie das Gefühl hat, ihr Körper sei das einzige, worauf sie sich verlassen könnte. Das hat nichts mit Entdeckung der Sexualität zu tun… aber ok – vielleicht liege ich mit meiner Einschätzung ja auch falsch.
Deine Viktoria
Ich frage mich, was an der „Nutzung“ des eigenen Körpers zum Erwerb von Geld so falsch sein soll. Wäre es in unserer Doppelmoral nicht so „ungehörig“, erotische Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, könnte es auch als ganz normaler, gesellschaftlich akzeptierter Beruf angesehen werden, mit allen Rechten und Pflichten, die auch alle anderen haben.
Was die Gute zu ihrer Entscheidung bewogen hat, bleibt uns verborgen, vielleicht ist es auch nur eine Maßnahme, um Aufmerksamkeit zu erregen, keinesfalls als ernst anzusehende Alternative zu sehen.
Beim Lesen der Kommentare bekomme ich den Eindruck, dass du ein doch sehr optimistisches Weltbild hast
Bisher hab ich eigentlich nur gelernt, dass man mit ehrlicher Arbeit nicht viel Geld bekommen wird. Die anderen Varianten sind entweder anrüchig oder illegal oder beides *g*. Insofern vermute ich des öfteren weniger moralische Entrüstung, sondern schlichten Neid. ^^ Sowohl auf das Aussehen als auch den Erfolg, so kurzfristig und zweifelhaft der auch sein mag.