Pornöse Selbstinszenierung April 16, 2008
Posted by Viktoria in Frau über Frauen, Gothisches Leben, Oversexed!.Tags: BDSM, Ego, Erotik, Gothic, Oversexed!, pornös, Sex, Singlebörse
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Die Zeiten, in denen man die Katze (wahlweise Pussy) im Sack kaufte, sind vorbei. Heutzutage muss man garnicht mal ein Wort gewechselt haben, schon weiß man bescheid, über die “geheimen”, “verbotenen” Träume einer Lady Darkness* oder eines Death Angels*.
Genannte dunkle Geschöpfe aus düsteren Welten des Internets müssen sich nochnicht einmal allzu nackt präsentieren. Klar, ein paar semiprofessionelle Fotos, auf denen laszive Posen tiefe Einblicke ins Dekoltée gewähren und hungrige Blicke darauf hindeuten, dass Du das nächste Opfer dieses Vamps werden könntest, sind bestimmt effektvoll. Und damit meine ich nicht die eventuelle Überbelichtung oder nachträgliche Bildbearbeitung. Nein, die Mädels aus der Szene sind schon die hüschesten, keine Frage. Das bemerke ich jeden Tag, wenn ich in den Spiegel schaue, und das tue ich nicht selten.
Aber mal Spaß bei Seite: Sie sind nicht nur die hübschesten, sondern auch die sexiesten. Es ist wirklich bemerkenswert, wie sehr einige Profile auf gothischen Singlebörsen vor Sex nur so triefen. Die Fotos sind das eine, oft auch das Harmlosere der pornösen Selbstinszinierung. Die Texte allerdings, oh ja, da könnte man meinen, dass kein bisexuelles Höschen beim lesen trocken bleibt - zumindest scheint dies die erwünschte Wirkung zu sein. Wie es da den Herren der Schöpfung bei geht, ich werd mich bei Gelegenheit mal erkundigen. Ich wage es einfach, davon auszugehen, dass es genügend von ihnen gibt, die sich den Ruck geben, Lady Darkness oder Death Angel ein unmoralisches Angebot zu machen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Doch ich schweife ein wenig ab. Wie ich schon sagte, man kauft die Muschi nicht mehr im Sack! Während früher zumindest mal beim ersten Date abgeklärt wurde, was Partner denn so gerne hat, man sich meistens jedoch langsam vortastete und sich frug, wie man der neuen Flamme denn klar machen sollte, dass man auch gerne für die etwas bizarreren, härteren, exklusiveren oder auch einfach nur originelleren Spielarten zu haben ist, ist dies jetzt mit nur einem Klick abrufbar. Auch wenn die Szene allgemein eher für Ausgefallenes offen ist, wird man auch hier um solche Gespräche, wie in jeder anderen Szene, oder bei “Normalos” auch, nicht drum rum gekommen sein. Nun weiß ich aber, dass Lady Darkness, die in Kiel** - was weiß ich wie viel 100km von mir entfernt - wohnt, Bondage betreibt, für Analsex zu haben ist und sich gerne hart von hinten nehmen lässt,*** und das Dark Angel aus Dresden** wahlweise spanked oder gespanked wird, Gyno-Spiele toll findet und allgemein alles f**** was sich f***** lässt, solange es nicht fett, hässlich, spießig oder dumm ist.*** Letzteres gilt für Lady Darkness selbstredend auch. Klar, Intimrasur muss sein - wer leckt schon gern Flokati?
Ich bin nicht verklemmt. Oh nein, Leute die mich kennen, werden das bestätigen können, mit mir kann man über vieles reden, ich bin für vieles - zumindest theoretisch - zu haben und stehe auf dem Standpunkt, dass man lieber mal was neues (ungefährliches) ausprobieren sollte, als etwas zu verpassen. Wirklich konservativ würde ich mich in sexueller Hinsicht also nicht nennen. Ich möchte auch Polygamie nicht verurteilen. Ich kenne selbst polygam Lebende Menschen, die mich noch nicht verführt haben und wäre selber evtl. unter günstigen Umständen und in Einverständnis aller Beteiligten für eine Flucht aus der Monogamie bereit.
Aber was ich nicht begreife ist der Egofick, den es manchen -vorzugsweise Damen- bereitet, in die Welt hinaus zu schreien, dass man nymphomanisch Veranlagt ist, ohne Sex nicht leben kann und will und einfach so penetrant (Vorsicht: Wortspiel) die eigenen Vorlieben (Pflichtpogramm?) zur Schau stellt. Es hat etwas krampfhaftes, was in der Szene oft zu finden ist. Es kann einfach nicht oft genug unterstrichen werden, dass man geil, unkonventionell, unverzichtbar, offen für alles, jung und körperflüssigkeitenfixiert ist.
BDSM und irgendwelche Fetische gehören auch zum guten Ton, zumindest habe ich noch kein Profil einer Egofick-Frau gelesen, in dem dazu nicht etwas gewagtes stand. Wäre ja auch langweilig ohne. Es reicht auch nicht einfach ein “ja” zu schreiben und bei den Anmerkungen dann noch “finde es selbst raus…” . Man überlege, wie effektvoll das wäre. Mensch, eigentlich noch ein größerer Anreiz, Lady Darkness anzuschreiben. Aber nein, da steht dann eine Liste, wie ich sie eigentlich nur von einschlägigen Seiten kenne, auf denen Dienste professionell angeboten werden und detaillierte Angaben Sinn machen, damit der potenzielle Kunde sieht, ob seine Vorlieben auch befriedigt werden können.
Hinzu kommt noch, dass diese gothische Singlebörsen nicht nur Singlebörsen sind, sondern auch einfach so eine Kontaktplattform. Desweiteren ist Singlebörse ja auch keine Sexbörse. Und für BDSM gibt es ja auch eine eigene ziemlich umfangreiche Plattform. Eigentlich würde es ja mehr Sinn machen, seine bizarren Vorlieben auf einer solchen auszubreiten. Für den erwünschten Egofick ist es jedoch augenscheinlich wichtig, mit seinen Vorlieben hausieren zu gehen, um die sexuelle Energie, die Lady Darkness und Death Angel zu wahren Sexgöttinnen des Erotikhimmels machen, zu manifestieren und all jenen, die es nicht wie sie handhaben zu zeigen, wie spießig, verklemmt und frigide sie doch sind.
Insgesamt weiß ich nun über diese beiden reizenden und reizvollen Damen in sexueller Hinsicht mehr, als von meiner besten Freundin. Ohne jemals ein Wort mit ihnen gesprochen zu haben. Sollte mir das zu denken geben?
*= Natürlich haben die Geschöpfe, von denen ich schreibe in Wahrheit viel exklusivere und wahlweise auch andeutungsvollere oder ungezogenere Nicks. Übereinstimmungen sind nicht gewollt, Lady Darkness und Death Angel als solche sind nicht gemeint, da hätte ich mir schon noch was ausgedacht.
**= Auch die Wohnorte sind frei ausgedacht und stimmen höchstens zufällig mit den realen Orten überein.
f*****= ein nicht jugendfreies Wort für “Liebe machen” und steht nicht im Duden!
***= Was wie Übertreibung rüberkommt, ist höchstens eine, weil ich sexuelle Vorlieben frei kombiniert habe. Nichts von dem, was ich geschrieben habe, ist in der Singlebörse nicht auch zu finden.

Gut geschrieben, ich habe sehr gelacht. Aber nicht nur in Singlebörsen auch in normalen Foren wird diese Unart (wenn auch, nicht ganz so extrem) ausgelebt.
Schreib bloß weiter!
Liebe Grüße Niamh
Dankesehr!
Ich habe nun auch ein Bildchen eingefügt, um den Ton zu unterstreichen
Ja, so ist das wohl in unserer kleinen Subkultur. Aber zum Glück nicht nur!
*g* Das Dekolleté kenne ich aber

Polygamisch ist übrigens ein wenig zu “i(s)ch”-bezogen
[flüster] Duu, da Du mich im Blogroll stehen hast, könntest Du doch auch den Blog an sich statt der Page verlinken?[/flüster]
Soll ich Dich als Urheberin des Bildes noch angeben, damit die Leute spekulieren?
Fehler behoben! Irgendwie ist da heut ein wenig der Fehlerteufel bei mir drin.
Hab zu viel Bio gelernt, glaub ich.
Mach ich, mit dem Blog!
So, so.
Aber dann auf dem Blog nicht mal ficken schreiben wollen
Ein wenig Recherche hat noch niemandem geschadet.
Bringt ja auch nichts, von Dingen zu schreiben, von denen man nicht im Mindesten eine Ahnung hat, nicht wahr? Ich wüsste auch nicht, was daran verwerflich ist, sich darüber zu informieren, was Dominas denn so alles anbieten. Falls mal ein Berufswechsel ansteht, oder so ^^
Naja, wohl eher nicht…
“Mama, das ist kein Porn… Das ist Journalismus/Berufsberatung 2.0″ ;-))
Uns hätt man damals gegeben, damals… Aber ne clevere Ausrede ist es schon
Erstaunlich, was kritische Blogger so alles in ihrer Freizeit machen, nicht wahr?
Im Ernst. Im Profil von Lady Darkness ihrer Freundin Bloody Pleasure bin ich darauf aufmerksam geworden, dass sie bald irgendwo arbeiten wird. Bei einer Lady XY im Studio. Tja, da wollte ich doch mal wissen, womit sich Bloody Pleasure so ihre Pleasures verdient und habe den Namen der Lady mit ihrem Studio bei Google eingegeben. Seitdem weiß ich, was Träume in Gummi für manche Leute wohl bedeuten…
Tja, Du als Naturwissenschaftler, wirst wohl nur bedingt mit solchen Argumenten kommen können. Mir als zukünftige Sozialforscherin stehen hingegen mehr oder minder alle Winkel der gesellschaft zur Verfügung. *g* Die Frage ist natürlich, in wie weit ich mich mit gewissen Dingen befassen möchte. ^^
Ja, als Sozialforscher hätte man die beste Ausrede dafür, stundenlang vor dem Rechner zu sitzen und, öhm, Netzrecherche zu betreiben
Der Trend zur digitalen Zweitidentität* erlaubt eben auch ein Ausleben oder ein Stützen auf Aspekte der Persönlichkeit, die vielleicht im realen Leben so nicht da sind. Interessant wird es dabei immer, wenn das reale Leben die Brüche aufzeigt. Ich bin mal in den Genuss einer dem Rock Hard-Magazin beigelegten DVD gekommen, auf der eine kurze Reportage über ein Treffen der aktivsten Rock Hard-Forumsmitglieder enthalten war. Es hatte schon etwas befremdliches, wie sich da gestandene Männer konstant mit ihren Nicknames angeredet haben.
Beispielsweise wurde mit urpfälzischem Dialekt der Deadeye gebeten, dem MetalDevil doch noch ein Bier rüberzureichen. Da frage ich mich doch, inwieweit die virtuelle Persönlichkeit ins echte Leben übergreift.
Aber ich erlaube mir da kein Urteil, ich kenne noch Zeiten, als man mit dem Eingeständnis, virtuelle Kontakte zu pflegen noch derjenige war, der den ganzen Abend über etwas komisch angesehen wurde
*Diesen Satz sollte ich mir markenrechtlich schützen lassen.
Ein breiter Trend, den du an einem Beispiel beschreibst. Man kann sich gut drüber lustig machen, aber verwunderlich ist es eigentlich nicht. “Finde es raus” war früher, was sich seitdem geändert hat, ist einfach die Anzahl der möglichen KandidatInnen, über die ich Informationen bekommen kann. Und wer mehr von sich Preis gibt ist schnell im Vorteil. das ist ein klassischen Gefangenendilemma und am Ende schreiben alle alles.
Ganz unpraktisch ist das nicht, gerade, wenn es etwas exotischer ist. Das ich erwähne, das ich schwul oder lesbisch bin scheint relativ normal. Warum nicht auch, das BDSM notwendiger Teil meiner Sexulaität ist. Dann aber natürlich auch ob ich oben oder unten spielen will. Und dann? Was meine ich damit? Bondage oder lass ich mir gern an mir rumschnippeln?
Wenn ich all das vorher weiß, kann ich mich bei einem Treffen, dann um den Rest des Menschen kümmern. Hat ja auch was.
Hallo Mario,
also ich finde nicht, dass das was hat.
Das hat was, wenn man was fürs Bett sucht. Klar, da ist so ein Katalog an “dos” und “don’ts” ganz gut, man spart sich unnötige Konversation und weiß halbwegs, wo man dran ist.
Eine Beziehung darauf aufzubauen halte ich jedoch für grenzenlos oberflächlich. Dieses Prinzip giert so sehr danach, den perfekten Partner auf einen Klick finden zu können - eine absolute Illusion. In meinen Augen sind da die Prioritäten falsch sortiert. Würde ich mich nach einem Partner umschauen, wäre zunächst wichtig, dass wir außerhalb des Bettes ähnliche Interessen und Ansichten haben. Den Rest erfährt man dann so mit und mit. Vor allem eben direkt - egal ob über Internet oder persönlich, aber halt im direkten Austausch.
Vielleicht bin ich auch einfach nur ein wenig konservativ…
Deine Viktoria
Eine Beziehung baust du doch darauf eh nicht auf. Das passiert doch nie unmittelbar über Kontaktgesuche, ondern wie du schreibst direkt. Man kann hier aber schon mal einschränken und seine Zeit effektiver nutzen…
Angenommen du bist schwul, Goth, magst BDSM und Segeln. Wo suchst du nach Partnern? Nicht im Raverforum, nicht bei Anglern. Ist ja auch irgendwie klar. Und wenn ich in einem Gothforum dazu schreibe, das ich gern segel, ist das akzeptiert, wenn da aber steht, das ich mir gern den Arsch versohlen lasse nicht mehr.
Das ist der Punkt meiner Kritik. Du magst aber damit recht haben, dass so die Erotik auf der Strecke bleiben kann - wie du an anderer Stelle ja schon geschrieben hast. Das kommt vermutlich sehr aufs richtige Maß an.
Hallo Mario,
ich habe absolut kein Problem damit, dass jemand schreibt, dass er BDSM mag. Noch nichtmals, wenn das grob enger eingegrenzt wird, was weiß ich: “Ich bin dominant und sadistisch veranlagt, switche aber auch schonmal.”
Wenn ich dann devot und masochistisch wäre, dann könnte ich mich dadurch ja interessiert fühlen, den Herrn anzuschreiben, dann könnte man auf einer zweiten Ebene ja ins Detail gehen.
Die Sache ist aber, dass diese Details schon im voraus in einer Liste ausgebreitet werden, von Menschen, die ich mir vielleicht garnicht bei diesen Sachen vorstellen möchte, weil es einfach ziemlich privat und intim ist. Stell Dir mal vor, da kommt wer auf Dich zu und würde Dich mit seinen Vorlieben im Detail zuquatschen?
Das stört mich einfach. Die Tatsache, dass die Menschen hinschreiben, ob sie BDSM betreiben oder nicht, ist nicht das Problem. Aber die Gynospiele interessieren mich dann in dem Zusammenhang doch weniger.
Deine Viktoria
[...] ist auch, dass sich die Anzahl von pornösen Weibern, ziemlich im Rahmen hält. So gut wie keine von ihnen ist anzutreffen, was das ganze ziemlich [...]
Naja eine Erklärung für das Ganze ist “Sex sells”, weil viele zB durch die Werbung damit aufwachsen. Zudem gibts auch innerhalb der Szene viele Leute, die Blödsinn verbreiten wie zB dass man “Bi” sein muss, weil “Bi” schick ist.
Das bringt viele in “Zugzwang” wenn sie gegen Gruppendruck nicht resistent sind.
(Ich wage auch mal zu behaupten, dass in diesen Profilen sehr viel vorgeflunkert wird um interessanter zu wirken und auch oft mit dem Feuer gespielt wird ohne zu wissen was man tut.)
Ähnliche Ansichten finden sich auch bei dem Thema, was eine Bekannte immer gerne “Gotische Geisteskrankheiten” genannt hat, also das Depressionen, die Borderlinestörung und SVV einfach öhm “schick” sind ( Welch Blödsinn … ).
Das kommt alles aus dem gleichen Abgrund wie die Ansichten, dass Grufties angeblich nicht lachen dürfen, alle intelligent sind, alle Gedichte schreiben müssen, sich mit Okkultismus beschäftigen und mindestens jeden zweiten Anne Rice-Roman auswendig zitieren können müssen.
Es gibt Leute, die tun nichts von Alledem und sind trotzdem Schwarz.
Und ja, manche Dinge will man einfach definitiv nicht wissen.
Das Highlight der letzten Jahre waren da “Schwanzbilder” eines jungen Herren, die er aufgrund zahlreicher Beschwerden zurecht wieder aus seinem Profil entfernen musste …