Während Martin Luther King vor 40 Jahren noch den Traum hegte, dass eines Tages die Rassenunterschiede aufgehoben sein würden, so habe auch ich einen Traum. Nämlich den, dass auch ich eines Tages nachts von einer Party nach hause kommen kann, alleine, ohne Gefahr zu laufen, dass mir an der nächsten Ecke etwas geschieht, weil ich eine Frau bin.
Früher war ich nur genervt, wenn meine Mutter beinahe Tränen in den Augen hatte, als sie mich an der Tür verabschiedete. „Ten cuidado!“ (zu Deutsch: „Sei vorsichtig!“) waren zwar schon immer ihre Lieblingsworte, sobald ich das Haus verließ, aber besonders seitdem ich auch abends mal was Trinken gehe, Party mache und meinen Freitagabend genieße, verfolgen sie mich. Mittlerweile bin ich nicht mehr genervt. Denn ganz ehrlich: Ich muss gestehen, dass ich mir genau so auch Sorgen um sie mache, wenn sie Abends mal mit Freundinnen weg geht. Und ich kann mir auch vorstellen, wie es sein muss, wenn man selbst eine Tochter hat, die in einem Alter ist, in dem das Nachtleben des Großstadtdschungels da ist, erkundet zu werden.
Hier jedoch liegt der Haken. Mir war schon früh klar, dass ich „ten cuidado!“ von meiner Mutter nur halb so oft zu hören bekommen hätte, wenn ich als Junge geboren wäre. Was das Erkämpfen von Freiheiten angeht, so hätte ein junger Viktor (ich hoffe meine Eltern hätten sich dann einen anderen Namen einfallen lassen!) nicht so viel für seine Rechte einstehen müssen, wie die junge Viktoria es tun musste, die es letztlich geworden ist.
Mittlerweile bin ich über das Alter hinaus, in dem man von seiner Mutter noch effektive Nach-hause-komm-Zeiten auferlegt kriegt, somit bleibt ihr nichts anderes übrig, als zu Protestieren, wenn es ans Feiern geht, und die Worte „ten cuidado!“ wie ein Mantra vor sich hin zu sprechen, in der Hoffnung, dass die guten Geister, Engel, Götter und andere hohen Wesen erhört werden und mich auf meinen nächtlichen Wegen begleiten.
Vielleicht war es mein Fehler, dass ich mich nie für irgendeinen Kampfsport habe begeistern können. Jedoch bezweifle ich, dass alles unter einem schwarzen Gurt meine Mutter davon hätte überzeugen können, dass ich mich verteidigen kann. Ja, selbst eine Buffy hätte an meiner Stelle die Worte „ten cuidado!“ nicht mehr hören können. Unabhängig davon, dass sie eine Vampir mordende Killermaschine ist.
Im Grunde ist letzteres jedoch vollkommen irrelevant. Es kann nicht sein, dass eine Frau einem Mann mit ihrem kleinen Finger das Genick brechen können muss, um unbehelligt nachts nach hause zu gehen. Es kann auch nicht sein, dass ich, wenn ich alleine unterwegs bin freiwillig auf Rock und Absätze verzichte, weil ersteres als einladend empfunden werden könnte und zweiteres furchtbar unpraktisch zum weglaufen ist. Traurig aber wahr: in Anbetracht dieser Gedanken stelle ich mir mein Weggeh-Outfit zusammen. (Bevor Fragen in Bezug auf meine Wohngegend kommen: Ja, ich wohne nicht im besten Viertel. Ich glaube „sozialer Brennpunkt“ ist die korrekte Bezeichnung? Und nein: ich sehe es natürlich nicht so, dass Frauen mit kurzen Röcken selbst Schuld sind!)
Vielleicht hat mich die „ten-cuidado-Mentalität“ meiner Mutter auch einfach paranoid gemacht, schließlich ist bisher noch nie etwas geschehen. Vielleicht ist sie aber auch der Grund dafür, dass es eben noch nie passiert ist.
Jedenfalls habe ich den Traum, mir irgendwann einmal keine Gedanken mehr darüber machen zu müssen, ob mein Outfit zu einladend sein könnte. Ich habe den Traum, dass junge Frauen und junge Männer gleichermaßen nachts nach hause gehen können, ohne vergewaltigt zu werden, ohne den Gedanken zu hegen, dass dies geschehen könnte. Ich habe einen Traum. Ich habe den Traum, einmal, Freitagabends von meiner Mutter die Worte „ten cuidado!“ zu hören, ohne zu wissen, dass sie dabei an eine Vergewaltigung denkt.
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El nombre Víctor qué tiene de malo? Así se llama uno de los mejores cantautores del mundo!
Bueno, en realidad no es que sea tan malo, pero si podria elegir no llamaria asi a mi hijo jamas.
Pienso que suena bastante severo y muy clasico. (no pongo acentos porque no tengo la mas minima idea de como usar los adecuadamente
)
Cabría agregar que un cinturón negro no te garantizaría el derecho de andar paseando sin miedo. Yo tengo el cinturón negro en taekwondo, y aun así no he podido evitar unas situaciones re peligrosas.
De paso, ya viste mi respuesta en Selbermach-Sonntag? Me encantaría leer tus distopías, y te mandaría el texto íntegro (tal como ahora está) por e-mail en el formato que prefieras si te late.