Freakshow Fernsehen

Gerade habe ich nichts besseres zu tun, als mir “Punkt 12″ anzusehen. Ja, mein Leben ist sehr ereignislos. Dabei wurde vorhin auch noch der letzte Kandidat von “Bauer sucht Frau” vorgestellt. Ein stämmiger Mann, der sich um seine Kühe kümmerte und beklagte, dass ihm die Frau an seiner Seite fehlen würde, wenn er jetzt im Frühling durch die Natur schreitet. Zugegebener Weise hatte der nette Herr ein wenig Schwierigkeiten, sich zu artikulieren. Doch das scheint beim Format “Bauer sucht Frau” irgendwie normal zu sein. Sowie auch alle anderen Klischees, die ich Großstädterin von einem Landwirt haben könnte, auch bedient werden. Kein Wunder, dass eine junge Gruppe von bayrischen Landwirten sich mal ziemlich heftig über diese Sendung aufgeregt hat. Der Ruf von Landwirten würde durch solche Prachtexemplare massiv in Mitleidenschaft gezogen werden. Sehr gut kann ich diesen Einwand nachvollziehen.

Persönlich habe ich mir “Bauer sucht Frau” noch nie ganz angesehen. Nein, irgendwie überkam mich immer so ein Gefühl der Fremdscham, wenn ich mir das angetan habe. Fremdscham ist dem ein oder anderen empathischen Wesen vielleicht garnicht mal so fremd. Ich persönlich leide da recht häufig drunter. Und wenn ich es vermeiden kann, schalte ich eben weg (leider klappt das im realen Leben nicht so einfach). Andere Menschen lachen sich über sowas einfach scheckig. Irgendwie ist dieses Gen bei mir nicht vorhanden, ich finde es einfach nur peinlich.

Wenn man sich auch einfach nur den Namen der Sendung auf der Zunge zergehen lässt: Bauer sucht Frau. Die korrekte Berufsbeschreibung ist “Landwirt”. Landwirt klingt auch schon ganz anders, als Bauer. Unter einem Bauern stellt man sich einen Mann vergangener Jahrhunderte vor, bei dem das 21. Jahrhundert noch nicht angekommen ist. Ein Bauer hat einen geringen Bildungsstand, eine geringe Allgemeinbildung und braucht eine Frau auch nur, damit diese seine Mutter ersetzt, den Haushalt schmeißt und seine Kinder wirft. Nach all dem klingt dieses Format. Desweiteren werden auch alle homosexuellen Landwirte von dieser Sendung ausgeschlossen. Ich bin mir sicher, dass nicht jeder Landwirt eine Frau sucht, der eine oder andere mag sich auch für einen Mann an seiner Seite begeistern. Aber nein, RTL findet es gut, Klischees und antiquierte Rollenbilder zu bedienen.

Genau so verhält es sich mit einem anderen Format aus dem Hause Pro 7. “Das Model und der Freak” lautet der Name dieser Sendung. Hierbei geht es darum, dass zwei “Freaks” von zwei Models gesellschaftstauglich gemacht werden und für den Beziehungsmarkt attraktiv. Dieses Format vollzieht in meinen Augen eine Art Genozid an jeglicher Form individueller Andersartigkeit. Ich finde es schlichtweg abstoßend. Schlimm jedoch auch, dass sich ja eben auch Männer dazu bereit erklären, sich im Rahmen dieser Sendung vor der gesamten Nation erniedrigen und lächerlich machen zu lassen. Das ist wirklich “freacky”. Überflüssig zu erwähnen, dass ich diese Sendung auch noch nie über die erste Werbung hinaus gesehen habe.

Im Grunde muss man sich “Das Model und der Freak” auch garnicht anschauen, es reicht alleine, das Logo, wie hier links dargestellt, zu betrachten, in Kombination mit dem Namen der Sendung auch hier wieder. Das sagt eigentlich schon alles aus. Prinzip: Die Schöne und das Biest. Das Biest ist hierbei der Brille tragende Mann, dessen Interessen sich nicht um Fussball, Bier und den metrosexuellen Trend drehen. Als gäbe es keine wichtigeren Probleme hier zu Lande.

Wer schaut sich sowas an? Aber vor allem: wer lässt sich so lächerlich machen? Und warum? kriegt man so viel Geld für den ganzen Müll? Ich finds einfach unverständlich.

3 Antworten

  1. Mittlerweile vermute ich, dass man bei den Sendern mit Gewalt versucht, irgendwelche Doku-Soap-Mischungen durchzudrücken, sei es mit noch so einem banalen oder klischeebehaftetem Thema wie diesem. Demnächst versuchen die wahrscheinlich, alle Menschen mit gleichen Frisuren auszustatten, alles andere ist schließlich freakig :D

    Aber deine Frage geht mir auch des öfteren durch den Kopf, wenn ich mal dummerweise doch den Fernseher anschalte und irgendwelche abgedrehten Gerichtsshows oder anderen Psycho-Sezier-Sendungen antreffe….
    Da kann man doch den Eindruck gewinnen, bewußt dumm gemacht bzw. gehalten zu werden ;-)

  2. Fernsehen als Leitmedium liegt im Sterben, tödlich verwundet vom Internet. Es wird mehr und mehr zu einem nebensächlichen Medium unter vielen, wie es schon dem Radio ging, als Fernseher weite Verbreitung fanden. Und wie die Qualität der meisten Radioprogramme zurückging, nachdem es seine führende Stellung verloren hatte, passiert das nun mit dem Fernsehen.

    Ich sehe eigentlich nur noch sehr wenig Fernsehen, hauptsächlich Nachrichten und ein paar Serien, bei denen ich zu faul bin, sie aus dem Netz zu ziehen – sowie gelegentlich mal den einen oder anderen Spielfilm, vorzugsweise auf ARD, ZDF, den Dritten, arte oder 3.sat – ohne Werbung, öfters auch mal Nicht-Mainstream-Filme und ungewöhnliche Werke aus aller Welt, oft genug mit Untertiteln statt gräßlich synchronisiert.

    Das Fernsehen wird mehr und mehr dafür gemacht, im Hintergrund zu plärren und gelegentlich etwas aufmerksamer betrachtet zu werden. Krams, den man nebenbei beim Bügeln, Putzen, Aufräumen, Kochen anmachen kann, oder den man als Einschlafhilfe benutzt. Ganz abgesehen davon gibt es keine Verschwörung – es ist nur der blanke Medienmarkt: Durch das Internet sind die Preise für Fernsehwerbung enorm gesunken, die Privatsender haben also weniger Geld. Sie haben also nur die Wahl, zu gucken, wie man mit billigstmöglichen Programmen eine möglichst große Schar von Zuschauern vor die Kiste bekomme, und zu bestimmten Uhrzeiten gibt es da eigentlich fast nur Schulkinder, Hausfrauen und Arbeitslose… noch dazu ist das uralte Prinzip der Freakshow immer wieder gut, um mit geringstem finanziellem Aufwande ein Maximum an Aufmerksamkeit zu erreichen, mit dem sich wiederum billige Werbespots verkaufen lassen, weil die teuren längst ins Internet gewandert sind.

  3. Hallo!

    @Coltaine: Ja, aber irgendwie ist es ja wirklich auch das, was am meisten geschaut wird.

    @elfboi: ich bekenne mich auch zum absoluten 3sat-Fan. Auch wenn mir die ganzen Inzestfilme auf den Keks gehen ;) Aber die Dokusendungen sind toll.

    Hast recht, diese Sendungen sind günstig, man kriegt sogar Geld und Zuschauer rein – was will man mehr. Es gibt ja genug dumme, die da mit machen. Die kriegen dann noch ne Kleinigkeit dafür und ihre 5 Minuten Ruhm.

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