Seit meiner Kindheit schaue ich mir den Eurovision Song Contest mit meiner Mutter gemeinsam an. Irgendwie war das immer eine sehr spaßige Veranstaltung, mir hat es immer sehr gut gefallen, die Sprachen anderer Länder zu hören, Musik mit folkloristischen Einflüssen aus anderen Teilen Europas. Das fand ich immer sehr schön.
Leider, leider dominierte am gestrigen Abend wieder das Englische. Das ging sogar soweit, dass Frankreich auf Englisch gesungen hat! Mein erster Gedanke, als ich das gehört habe war: „Kapitulation!“ Während meine Mutter das noch nicht fassen konnte. Mensch, ich habe das ganze Lied über (welches reichlich bescheiden war) nur durchgelacht, weil Frankreich doch eigentlich ein Land voller Nationalstolz ist, die Moderation und die Punktevergabe beim „Grand Prix de la chanson“ immer zweisprachig ist – auch de Name! Also wie können sie nur?
Auch bei Russland, dem Gewinner des gestrigen Abends, ist die Landessprache zuhause geblieben und wurde gegen die Wunderwaffe Englisch eingetauscht. Ich war reichlich enttäuscht über das Gewinnerlied, muss ich leider sagen. Russland fand ich überhaupt nicht gut – abgesehen davon, dass sie ihr Supertalent von Eiskunstläufer mitgenommen hatten. An sonsten hörte sich das Lied einfach nur so an, wie schonmal gehört.
Aufgefallen ist mir der Sexismus, der am gestrigen Abend verbreitet wurde, wie nichts gutes. Dieser schlägt sich allerdings auch äußerst positiv auf die Plazierungen aus. So konnten Griechenland, Ukraine und Armenien mit unglaublich knackigen Frauen in sehr kurzen und knappen Kleidern punkten. Die Lieder waren doch eher bescheiden. Eine ziemlich traurige Sache, denn es ist ja keine Miss Europa-Wahl, die mit diesem Wettbewerb bestritten wird, es geht um die Musik, den Gesang, den ein Land den anderen auftischt. Auch Schweden und Polen, letztendlich auch Deutschland haben versucht, mit einer reizenden Garderobe zu punkten. Deutschland landete auf dem dritt letzten Platz. Aber dazu komme ich später.
Ja, Sexismus war auch in der Choreographie von Lettland und Spanien zu sehen, in Lettland wurd der einen ziemlich deutlich an den Hintern gegrapscht (sie hat nur ein wenig böse geschaut) und in Spanien waren die Röcke so kurz, dass man recht häufig auch drunter befindliche, ins Outfit integrierte Wäsche sehen konnte. Zumal die Frauen auf der Bühne nur da waren, den etwas merkwürdig ausssehenden Sänger optisch zu unterstützen. Sie haben noch nicht einmal gesungen.
Deutschland hat gestern glaube ich, zwei mal Punkte bekommen. Einmal 12 Punkte aus Bulgarien, was ich als sehr süße Geste empfunden habe, die mit an Sicherheit glänzender Wahrscheinlichkeit auch nur zustande gekommen ist, weil Lucy aus Bulgarien stammt. Dann nochmal 2 Punkte. Eigentlich recht traurig. Man könnte auch die „Ost-Mafia“ dafür verantwortlich machen, schließlich ist diese ja alles schuld. Es könnte auch einfach daran liegen, dass das Lied nicht besonders „besonders“ war. Es muss etwas nachhaltigeres sein, bei diesem Wettbewerb. So schlecht ich das Lied aus Griechenland auch fand: Ich habe nochimmer ein Ohrwurm davon, weil es einfach total eingängig war. Das Lied von den No Angels war einfach ein wenig lau. Es war angenehm zu hören, aber mehr auch nicht. Man würde das Radio leiser drehen, um sich zu unterhalten, statt es lauter zu drehen und dem Gesprächspartner um eine kurze Unterbrechung zu bitten. So ein Lied kann sich nicht durchsetzen. Da helfen auch die kurzen Röcke nichts.
Was die Punkteverteilung im Osten angeht, so kann ich nur sagen, dass auch ich meine Punkte hauptsächlich in den Osten gegeben hätte. Ich habe das Gefühl, dass diese Länder sich irgendwie mehr Mühe geben, zumal meist in der eigenen Landessprache und nicht auf Englisch gesungen wird. Das finde ich sehr sympathisch. Außerdem haben auch hier eher Griechenland und Russland gepunktet, welche zwar auch im Osten liegen aber eben nicht Balkanstaaten sind.
Skandinavien schiebt sich die Punkte auch immer gegenseitig zu. Spanien, Portugal und Andorra auch. Das Baltikum ebenfalls. So läuft es eben überall hier in Europa. Deswegen finde ich es reichlich bescheiden die Balkanstaaten für dieses Verhalten so zu kritisieren. Mein Gott, von denen gibt es halt mehr.
Und trotz vermeindlicher „Ost-Mafia“ hat Norwegen es auf einen 5. Platz geschaft. Mit einer bekleideten und etwas kräftigeren Sängerin. Das fand ich gut. Auch die Kandidatin aus Portugal, welche doch sehr kräftig war, hat mir gut gefallen, gesungen in der eigenen Landessprache. Meine Favoriten des Abends waren allerdings die Türkei und Bosnien-Herzegowina. Die fand ich beide recht unkonventionell und schön rüber gebracht.
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Hallo Viki:
Viel kann ich eigentlich zur diesjährigen Ausgabe von Eurovision eigentlich nicht sagen, da ich sie nämlich verpasst habe. (Obwohl ich nicht wirklich das Gefühl habe viel verpasst zu haben, so widersprüchlich das auch klingen mag…).
Allerdings fand ich das was was ich dieses Jahr von der spanischen Initiative mitgekriegt hab gar nicht mal so schlecht: Das ganze ist aus einem Fernsehprogramm (Buenafuente) heraus entstanden, in dem zuvor noch gerade kritisiert wurde dass es bei der ganzen Show schon längst nicht mehr um den Song an sich geht und das Spanien eh nicht gewinnen könnte, da sie halt nicht so viele ‘Nachbarn’ haben wie jetzt vielleicht im Ostblock. Also hat man sich kurzerhand gedacht: Nehmen wir das ganze Spektakel doch auf den Arm und schicken einen ‘Freak’ sammt Spielzeuggitarre und unsinnigem Text dorthin. So nach dem Motto „Ya que vamos a hacer el ridículo hagamos lo con ganas“. Dieser Freak hat es zumindest geschafft unter die meistgesehenen spanischen Youtube -Videos zu kommen (ist ja schliesslich auch eine Art von Erfolg…) und wird zumindest hierzulande weit länger in Erinnerung bleiben als die Kandidaten vom letzten Jahr (was andererseits aber auch nicht wirklich schwierig ist…).
Lg
Juli
P.S. : Zum Thema Eurovision ist mir auch grad noch eingefallen, dass bei der Kinderversion (Deutschland macht da glaub ich noch nicht mit) die Kandidaten ihre eigenen Songs (meist in ihrer eigenen Sprache) selbst komponieren müssen. Obwohl sie höchstwahrscheinlich beim Komponieren von Profis geholfen werden, find ich es doch bemerkenswert das von den Kindern mehr abverlangt wird als von den Erwachsenen Kandidaten.
Ich kannte das spanische Video schon einige Tage länger (und mag das Lied wirklich!) und habe es völlig anders aufgefasst als Du. Der Mann ist Komiker, die Damen stellen sich bewusst blöd an (im Clip besser zu sehen als auf der Bühne) – für mich die blanke – und gelungene – Satire.
Zu den üblichen anderen Hach-hab-ich-schöne-Beine-Frauchen habe ich gestern direkt nach dem EVSC gebloggt. Irgendwie stimmen wir über ein und doch hat jede andere Ecken beleuchtet. Irgendwie lustig.
Ganz ehrlich? Der deutsche Musik-Beitrag gehört auf den letzten Platz – Ostblockverschwörung hin oder her (halte ich sowieso für Blödsinn). Es ist ja wirklich der letzte Platz, denn Deutschland steht nur an drittletzter Stelle, weil „Ger“ weiter vorn im Alphabet vorkommt.
Das Lied von den No Angels ist nichts Besonderes und hörte sich live so an, als hätten die „Engel“ es nicht nötig gehabt, zum Soundcheck zu gehen. Die Mikros waren zu leise gestellt, die Musik zu laut, Sandy hat gekreischt und Jessica hatte einen zu tiefen Brumm-Bass in der Stimme. Es war schrecklich, vorallem für Leute, die aufmerksam zuhörten und nicht nur die Kostüme im Blickfeld hatten.
Ich habe ja die Vermutung, dass sich „die Deutschen“ so wenig um gute Beiträge beim EVSC bemühen, weil sie sich nicht qualifizieren müssen. Sie haben dieses teuer erkaufte Privileg als Geldgeber (neben Frankreich etc.) ohne Quali antreten zu dürfen. Genau das ist in meinen Augen der Punkt. Denn die Länder im Osten müssen sich wirklich anstrengen um starten zu dürfen und deswegen sind ihre Lieder oftmals einfach besser. Wenn nicht gesanglich, dann meistens als optischer Genuss mit gewissen Tanzeinlagen, Pyroshows und Artisten. Oftmals auch mit politischem Hintergrund wie damals eine Punkband aus – ich glaube das war Litauen. Die mit der Oma – das ist kreativ, fetzig und sowas wollen viele Leute sehen.
Hallo!
@Juli und Fav: Naja, ich stehe halt eher auf qualitativ hochwertige Beiträge… so was ähnliches hatte ja auch Raab mal für Deutschland gemacht.
@Fetzenweib: oh ja stimmt. Eigentlich ist es der letzte. Wird immer nur so ein wenig schön geredet. Aber ich muss sagen, auch wenn es nicht so die Supernummer war, mit den No Angels, so fand ich es doch wesentlich besser, als den Beitrag aus Lettland. Das war wirklich unterste Schublade, ich glaub sowas läuft noch nicht mals beim aprèsski… wobei da wohl schon…