Die Blogwelt ist doch schon eine ziemlich große hier im Universum des Internets. Was bin ich froh, ein Teil von ihr zu sein und Tag für Tag mit neuen, interessanten Einträgen und daraus resultierenden Debatten konfrontiert zu werden.
Auch heute wieder regen andere Blogs meine übrig gebliebenen Neuronen an, bringen mich dazu, ein paraphilosophisches Thema in den Raum zu schmeißen, ja, die Frage konntet Ihr der Überschrift schon entnehmen:
Ein Recht auf Ironie?
So kam es, dass meine tägliche Reise mich wieder einmal zur Mädchenmannschaft führte, auf deren Blog ich mich mit folgendem Artikel konfrontiert sah. Es hat mich doch ein wenig geschockt, was ich da lesen durfte, und die Debatte, welche sich schließlich über die Kommentare dahin zog, regten mich dazu an, den Auslöser auch einmal zu lesen.
Verfasser des Artikels berief sich nämlich bei der Mädchenmannschaft auf sein Recht, von Ironie Gebrauch machen zu dürfen. Jene sei auch maßgeblich in seinen Artikel eingeflossen. Gut, dies blieb dann zu überprüfen. Und so trat ich meinen Weg an, selber mal zu lesen, was bei der Mädchenmannschaft für so viel Aufsehen gesorgt hatte.
Der Titel:
Date mit „Feuchtgebiete“-Fan? – No Go!
schlägt in eine altbewährte Kerbe. Charlotte Roche ist zur Zeit ein Garant dafür, dass Menschen in Blogartikel eintauchen. Ja, was wäre die Blogwelt ohne Roche… wie viele Hits auf meinem eigenen Blog habe ich selber dieser Frau zu verdanken? Aber nun gut, wir wissen nach der Überschrift schonmal, dass der Verfasser des Artikels auf die „Feuchtgebiete“ nicht gut zu sprechen ist, gespannt lesen wir weiter.
Es gibt ja vieles, auf das ich achte, wenn ich online auf die Jagd nach einer Frau gehe. Ich schaue mir ihre Hobbys an, überprüfe den Musikgeschmack, frage nach Beruf etc.
Na, Gemeinsamkeiten mit der Beute können schonmal nicht verkehrt sein. Irgendwie muss man das Viech ja in sein Netz locken.
Beispielsweise fällt eine Frau, die Metzgerin ist und am liebsten Nu Metal hört, schon mal aus meinem Dating-Schema heraus.
Du meinst wohl aus deinem Beute-Schema. Bleib doch bitte bei einem Jargon. Die Frage ist ja nun warum? Weil sie Metzgerin ist und daher wahrscheinlich gut mit Hackebeilchen umgehen kann, oder weil sie Nu Metal hört?
Nach meinem gestrigen Date muss ich allerdings wohl doch eine Vorab-Frage mehr in meinen Dating-Fragenkatalog aufnehmen – und zwar die Frage nach dem Lieblingsbuch!
Ui… war Deine letzte Partnerin die erste, die des Lesens mächtig ist? Diese Frage steht auf meiner Liste nämlich ganz weit oben. Kaum etwas sagt über einen Menschen so viel aus, wie sein Geschmack, was Bücher angeht.
Die süße Maus mit dem unglaublichen Lächeln, die ich übers Internet gedatet hatte, stellte sich nämlich als absoluter Fan von Charlotte Roches Roman “Feuchtgebiete” heraus. Eigentlich nicht schlimm, aber uneigentlich eine Katastrophe.
Aha, da haben wir es! Verfasser steht total auf Tiere, deswegen mag er keine Metzgerinnen! Aber seit wann landen Mäuse im Schlachthof? Das verstehe ich nicht.
Ich finde es gut, dass auch Mäuse mit unglaublichem Lächeln (das Lächeln von Mäusen ist mir noch nie aufgefallen) Charlotte Roche lesen. Ich lese sie auch, ob wohl ich keine Maus bin. Ich glaube, viele trauen es auch eher Fischen als Mäusen zu, Roche zu lesen, zumindest, wenn man sich den Rest dieses Artikels durchliest.
Was mich in diesem Zusammenhang interessiert, wäre da noch das „eigentlich nicht schlimm“. Warum denn noch rechtfertigen, der Rest spricht ja schon für sich.
Gelesen hab ich das Buch nicht, schließlich muss man ja nicht alles von den weiblichen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten wissen, aber man hört ja so einiges darüber.
Naja, alles vielleicht nicht. Ich habe dennoch das Gefühl, dass Männer sich sehr gerne aus dem Intimbereich ihrer Partnerinnen zurück ziehen, wenn sie nicht gerade Sex haben. Beim Sex sind die Sekrete irgendwie ok, irgendwie sogar gut: „hey, Freundin ist feucht – man machts wohl richtig!“ Außerhalb davon, ist das alles „Frauensache“, mit der man nichts zu tun haben will.
Sextante Roche selber schreibt mehr über die Sekrete von Helen, als allgemein über solche. Das Buch behandelt auch nicht Sekrete vordergründig. Somit würde es vielleicht doch eine Horizonterweiterung für den Verfasser sein, „Feuchtgebiete“ zu lesen, statt auf den so bequemen Zug des darüber Herziehens auf zu springen. Es ist kein qualitativer Journalismus, sich nur auf die Kritiken der anderen zu berufen.
[...]Wie eine Aufziehpuppe erzählte sie mir vom Inhalt des Romans, der Theorie, dass man seine Körperausdünstungen nicht mit Parfum oder ähnlichem überdecken sollte, denn nur der eigene Geruch macht die Männer geil etc.
Also ich bin eine große Verfechterin davon, so wenig Fremdparfum wie möglich auf meine Haut zu lassen. Duschgel gibts nicht ohne, dann muss es schon etwas sein, was zu mir passt, Parfum benutze ich nur als Öl, was sich mit dem eigenen Geruch der Haut vermischt und somit immer von Trägerin zu Trägerin anders riecht. Der Trent geht ja leider dahin, wie eine parfümierte Barbie frisch aus der Packung zu riechen. Der eigene Geruch wird nicht schön untermauert sondern luftdicht einbetoniert. Das ist sehr schade. Aber ich wette, der Verfasser will auf was anderes hinaus.
[...]Als mein Date mir aber dann ganz entzückt erklärte, mit ihren Freundinnen einen Versuch starten zu wollen, stieg ich dann doch aus. Vier Mädels haben sich doch tatsächlich dazu entschlossen, diese Geruchskiste auszuprobieren; also die Männer durch ihren Muschi-Geruch anmachen.
Vielleicht war sie schon längst in der Experimentier-Phase und es ist Dir lediglich nicht aufgefallen? Nun ja, es spricht wohl für sich, wenn erwachsene Mäuse selbst nicht so recht verstehen, was ein Buch eigentlich ausdrücken will. Ich persönlich zweifel ja daran, dass diese Verabredung mit einer solchen Maus überhaupt stattgefunden hat, aber nun gut.
[...]Den Rest des Abends verbrachte ich also allein zu Hause, wühlte in meiner Plattensammlung und summte zu Housemaid feat. Kim There are two things in the world that smells like fish….
Ich frage mich ja immer, woher diese Fischsache kommt, denn ich finde nicht das „das“ so riecht. Eher habe ich das Gefühl, dass dieses Gerücht immer von Menschen gestreut wird, die irgendwie eine ganz merkwürdige Körperwahrnehmung haben, bzw. leicht verschämt und gehemmt an die Sache heran gehen. In jedem Fall finde ich diesen Vergleich ziemlich despektiv.
Die Frage ist nun: Wo ist die Ironie? Ich habe keine Gefunden. Daran schuld ist bestimmt der kleine Feminismusgen, der Frauen der Fähigkeit des Ironieverständnisses beraubt. Wobei ich selbst davon überzeugt bin, ironisch zu sein.
In jedem Fall finde ich es nicht gelungen, etwas als Ironie verpacken zu wollen, was einer ernsthaften Auseinandersetzung offenbar nicht würdig ist. In diesem Fall sind es Vaginalsekrete, bzw. der Umgang mit diesen. Vaginalsekreten gegenüber wurde immer despektiv aufgetreten, was der Fischvergleich nur zu genüge beweist. Eigentlich schon weit über das Maß hinaus. In sonst einer Form, abgesehen vom höchst sterilen Sexualkundeunterricht, widmete sich ihnen niemand. Jetzt hats Sextante Roche getan. Was passiert? Auch dies wird nicht ernst genommen, sondern diesem wird mit versuchter Ironie begegnet. Eine Tatsache, die ich weder als reif noch reflektiert empfinde. Misogyn, wie bei der Mädchenmannschaft angedeutet? wahscheinlich unbewusst. Oberflächlich: in jedem Fall.
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Natürlich will ich dir deinen Sinn für Ironie nicht absprechen – aber wahrscheinlich ist es hier wie beim Humor: Es gibt verschiedene Nuancen, die nicht jeden gleich ansprechen. Und deinem letzten Satz stimme ich sogar gern zu. Ich bin oberflächlich, mache jedoch keinen Hehl daraus und verurteile keinen, der mir auch oberflächlich gegenüber tritt. Also dann, weiter Spaß haben
Das hab ich mir nämlich für heute Abend auch vorgenommen und vielleicht kann ich von den Erlebnissen gleich den nächsten Blogeintrag verfassen
„[...]woher diese Fischsache kommt, denn ich finde nicht das “das” so riecht. [...] In jedem Fall finde ich diesen Vergleich ziemlich despektiv.
[...]Wo ist die Ironie? Ich habe keine Gefunden.“
Trotz, dass ich überzeugte Nichtfeministin o.ä. bin, kann ich Dir getrost ein 3faches „Dito!“ entgegenrufen.
für all das was du hier schreibst, gehörst du von, sagen wir mal, helen memel, geknutscht. wenn die ganze story stimmt und es dieses vierer-grüppchen mit dufter experimentierfreude tatsächlich gibt, finde ich dass grossartig. auch wenn charlotte ja mehr oder minder pro-porno ist, ich finde ihr buch hat damit nichts am hut. wenns pornos gibt, die dem buch ähneln, man melde sich doch bitte mal bei mir. und in jedem schundroman ist mehr porno als in ‘feuchtgebiete’. ich könnte auch wirklich mit kritik an ihr bzw. ihrem buch umgehen, aber dieser blogeintrag gibt mir kein einziges fundiertes argument, auf das ich eingehen könnte, geschweige denn wollte. warum also ist das so schrecklich, dieses buch und seine auswirkungen? klar nervt diese dauerpräsenz und sich echauffierende medienberichterstattung tierisch. aber dafür kann das buch nur indirekt etwas. dementsprechend unterscheidet sich der blogeintrag nicht von allem anderen was ich so lese und sagt nur „das ist irgendwie eklig und deshalb bäh“, was wirklich nicht sehr nach einer intelligenten auseinandersetzung klingt.
Hallo!
@Rene: In meine Augen ist Oberflächlichkeit nichts erstrebenswertes. Aber wenn Du damit glücklich bist, ist das ja schön. Musst nur damit rechnen, dass nicht jeder so toll findet, was Du so schreibst. Aber damit leben wir ja alle. Aber vielleicht ist Dir aufgefallen, dass es mir nicht hauptsächlich auf die Oberflächlichkeit ankam, sondern auf vermeindliche Ironie und das Spiel mit den weiblichen Gerüchen.
@Fav: Na wie schön, dass wir uns einig sind!
@Henna: Dem ist eigentlich auch nicht mehr hinzu zu fügen! Außer vielleicht bezüglich des Helen Memel küssen: bah… Mädchensabber!
[...] möglich hat man hierzulande offensichtlich jeglichen Blick verloren! Auch schön bei Viktoria da, da und in den darunter gegebenen Kommentaren zu [...]