We are Animals?

Heute bin ich in den weiten des World Wide Webs doch mal wieder über etwas kontroverses gestoßen. Die Jeansmarke Wrangler hat sich nämlich eine neue Werbekampagne einfallen lassen, deren Sinn sich weder mir, noch anderen BetrachterInnen wirklich offenbart. Doch wohlmöglich sind meine Blogleser ja so gescheit, dass sie doch noch eine Pointe erhaschen?

Zum Einstieg vielleicht mal die Plakatwerbung:

Das wäre also das erste Bild. Was man sieht sind die unteren Extremitäten einer Frau, welche in einer nassen, etwas in Mitleidenschaft gezogenen Jeans auf einem Grünstreifen neben einer aspaltierten Straße liegt. Es scheint geregnet zu haben, zumindest ist nicht nur die Frau nass, sondern auch die Straße.

Das Schwarze um die Hose herum sind wohl vermoderte Blätter, sie scheinen nicht vom Ort, andem diese Beine in Jeans liegen, zu kommen, woraus sich schließen lässt, dass sie mit den Beinen in der Jeans dort hin gebracht wurden.

Das Einzige bischen Haut, dass sich erhaschen lässt, sind die Füße der Frau, welche blaß und teilnahmslos vom Grünstreifen hängen. Die Pose der Beine wirkt auch entspannt, das rechte Bein ist leicht angewinkelt, wie wenn man schläft oder sonstwie sich gehen lässt. Offensichtlich liegt der Körper auf dem Bauch.

Die Frau in der Jeans spielt überhaupt keine Rolle, die Jeans ist das entscheidende in dieser Werbung. Es wird nichts gezeigt, was von dieser ablenken könnte, die Frau kann jede sein, das wichtige an ihr ist jedoch lediglich die Tatsache, dass sie eben diese Jeans trägt.

Nun könnte man sich die Frage stellen, weshalb eine Frau in nassen Jeans, die mit modrigen Blättern verschmutzt ist, barfuß am Straßenrand auf dem Grünstreifen liegt. Auf dem Bauch. Wenn ich mich auf eine Grünfläche lege, dann nur auf den Rücken. Ich habe auch noch keinen gesehen, der auf dem Rasen, ohne unterlage auf dem Bauch gelegen hat. Erstrecht nicht, wenn der Rasen nass war.

Die Vermutung liegt somit nahe, dass die Frau nicht ganz bei Bewusstsein war, als sie sich dort hin gelegt hat. Vielleicht hat sie zu viel getrunken oder Drogen konsumiert. Es könnte allerdings auch sein, dass sie post Mortem auf dem Grünstreifen abgelegt wurde. Man weiß es nicht genau.

Kommen wir nun zur zweiten Plakatwerbung:

Was wir hier sehen ist eine Frau, die mit nacktem Oberkörper in dreckigem Wasser auf dem Bauch liegt. Schmutz, welcher wohl durchs Wasser aufgewirbelt wurde, hat sich auf ihrem nackten Rücken und Gesäß abgelegt.

Ihre Hose, ja sie trägt eine, offenbar eine Jeans, ist erstaunlich weit runter gerutscht, sie offenbart einen Blick auf das halbe Gesäß der Frau. Die Haare liegen zum Teil auf der rechten Schulter auf, zum Teil verdecken sie das Gesicht, welches für den Betrachter nicht ein zu sehen ist.

Die Arme der Frau sind nach vorne hin ausgerichtet. Dennoch ist im Bild keine Bewegung aus zu machen, es sieht nicht so aus, als würde die Frau zum Schwimmen ansetzen.

Wo der Fokus im vorangegangenen Bild alleinig auf der Hose lag, ist es hier der nackte Rumpf dieser Frau, die auf dem Bauch, scheinbar bewegungslos im dreckigen Wasser verharrt. Der Pose, welche einen tiefen Blick auf das Gesäß der Frau offenbart, ist durchaus auch eine erotische Komponente ab zu gewinnen. Verstörend wirkt dennoch die Tatsache, dass die Frau eben im Wasser liegt. Nicht in der Badewanne, sondern vielmehr in einem See, Teich oder Tümpel, welcher dreckig ist. Zudem auch noch mit dem Kopf nach unten.

Vielleicht soll sie tot sein?

Wenn auch nicht ganz eindeutig festzustellen ist, ob die Frauen in dieser Werbung tot sein sollen, so wird doch deutlich, dass Wrangler zumindest mit diesen Vermutungen spielen. Es findet eine Inszenierung statt, die starke Assoziationen an Mordopfer herstellt, diese Assoziationen werden zumindest im zweiten Bild ästhetisiert. Das Opfer erhält eine erotische Komponente. Im Grunde gilt das durch die Pose der Beine auch für das erste Bild, wenn auch nicht ganz so offensichtlich.

Ich halte es für falsch, in Form von Werbung Gewaltverbrechen als ästhetisch darzustellen. Das verharmlost den Sachverhalt nämlich immens. Vor allem, wenn die Opfer in diesem Fall, wie immer, wenn es zu einer erotischen Darstellung gewaltsamen Todes kommt, Frauen sind.

Das wäre der eine kritikwürdige Punkt an dieser Werbung. Der zweite, der sich mir allerdings überhaupt nicht erschließt ist, weshalb diese Kampagne unter dem Slogan „we are animals“ läuft? Keine der Posen erinnert an tierische. Wer ist überhaupt das Tier? Das Model, der Betrachter, oder die Zielgruppe, nämlich die Frau an sich? In welcher Form, soll sich eine Kundin von dieser Werbung angesprochen fühlen? Oder dient sie alleine der Provokation, damit die Marke wieder in alle Munde kommt?

Schon möglich. Im Zusammenhang mit dem Slogan macht jedenfalls die TV-Werbung mehr Sinn, wenn sie auch nicht minder bescheuert ist. Denn warum Frauen zu Tieren werden müssen, habe ich auch bei den AXE-Werbungen noch nie verstanden.

Wrangler: Animals

7 Antworten

  1. Hm… sollten die Frauen auf dem Plakaten wirklich als tot dargestellt worden sein bezieht sich das ‘we are animals’ vielleicht auf den Menschen der in der Lage ist eine Frau (in Wrnagler Jeans…) zu ermorden. Vielleicht ist es aber auch so eine Art ‘back to nature’ Kampagne wo eben das Primitive im Menschen dargestellt werden soll und die Frauen tiergleich keine Probleme damit haben im dreckigen Wasser zu liegen (und dabei trotzdem ihre Wrangler Jeans tragen)…
    Das wären so meine ersten Assoziationen, die mir als Erklärung dazu einfallen.

    Lg
    Juli

  2. Ich denke, ihr denkt zu kompliziert. Grad das erste Bild ist für mich eher ne Parallele zu tot gefahrenen Tieren auf der Straße oder am Straßenrand. Das zweite Bild erinnert irgendwie an nen toten Fisch im verdreckten Tümpel. Nur was das dann im Endeffekt mit der Jeans und deren Qualität (die ja in einer Werbung beworben werden soll) zu tun hat, ist auch mir schleierhaft.
    Was zum Geier schlucken die? Das will ich auch haben. ;)

  3. hi!

    danke euch zweien für eure einschätzung. vielleicht denken wir wirklich zu kompliziert, kami deine einschätzung macht wirklich sinn… klar! aber es macht keinen sinn, warum ich die jeans kaufen sollte. ich lasse mich ungerne mit tieren vergleichen. weder mit lebendigen, noch mit toten. komisch, komisch…

  4. Dieser Link könnte für ein wenig mehr Klarheit bezüglich deiner Frage sorgen.

  5. Hi Katrin,

    also den Clip hab ich ja auch shcon gesehen, selbst auch oben verlinkt, es wird deutlich, dass eben die frauen die tiere sind, es sind nur frauen im clip, die sich wie nachtaktive raubtiere verhalten. so mein eindruck. es sieht aus, als wenn sie auf der jagt, auf der pirsch wären. soll das heißen, dass die jeans uns zu jägerinnen macht, uns was wildes, animalisches, primitives erbringt? aber was haben die plakate damit zu tun, die ja eher passive posen ausdrücken. man könnte mit viel mühe pirschen hineininterpretieren, aber da muss man sich auch schon sehr hinein denken und eigentlich geht das auch nur unter einbezug des clips.

  6. Also ich persönlich sehe in dieser Werbung keinen Sinn. Tiere liegen nicht aus Spaß begrünten nassen Fahrbahnrand und sie liegen auch nicht zum Spaß im dreckigen Gewässer, weil sie Tiere sind, sondern ausnahmslos wenn sie tot oder krank sind. Die Plakate zumindest sind total unlogisch. Aber Werbung ist eigentlich nie logisch. Die AXE-Werbung ist wirklich noch die stümperhafteste, denn: erstens hat ein weiblicher Pfauenvogel keine auffällig bunten Oberschwanzdeckfedern und zweitens schreit ein Pfau nicht wie ein Greifvogel. Da sieht man einfach, dass der Entwerfer, der „kreative“ Kopf hinter dieser Werbung, überhaupt keine Ahnung von der Materie hat, sonst hätte er auch nicht den dritten Fehler begannen und die Frauen um Männer werben lassen, denn im Tierreich – zumindest bei Katzen und Vögeln – ist es nun einmal umgekehrt.

    Aber vielleicht denke ich falsch und dieser AXE Werbespot ist sogar total queer – wie aber dann ein „Männer-Deo“ das zu bewerbende Produkt sein kann, passt jedoch nicht in dieses Bild.

  7. buargh, die beiden plakate sind ja mal richtig übel.
    ich interpretier die auch so, dass die frauen auf dem bild (sexual-)mordopfer sind und das „animal“ der („trieb“-)täter.
    krass.

    ich hab btw nicht pauschal was dagegen, mit einem tier verglichen zu werden, kommt halt drauf an, mit was für einem und in welchem zusammenhang, nech. ;)

    in dem verlinkten videoclip kann ich dank meines ollen monitors leider so gut wie nichts erkennen, aber das wirkt auch ziemlich komisch bedrohlich auf mich (und das nicht im coolen sinn ;) ).
    dass bei den obigen plakatmotive die gezeigten frauen die (raub-)tiere sind, die auf der lauer liegen, scheint mir ausgeschlossen, ganz besonders auf dem ersten bild.

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