Republikanischer Kindersegen

Bristol Palin, die 17-jährige Tochter der republikanischen Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin, ist schwanger. Diese Nachricht überschattet den republikanischen Parteitag in St. Paul und sorgt für viel Gesprächsstoff in- und außerhalb der USA.

Sarah Palin, Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner

Sarah Palin, Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner

Über Sarah Palin, welche erst 44 Jahre alt und Gouverneurin von Alaska ist, war bisher nicht so viel bekannt. In den USA munkelt man, sie wurde als Kandidatin genommen, um enttäuschte Clinton-Anhänger zu ködern. Doch auch in den erzkonservativen Kreisen der Republikaner, sollte sie Punkten.
Sarah Palin steht nämlich für konservative Familienwerte, sie ist gegen Abtreibung, gegen Sexualkunde in Schulen, für Kreationismus. Und sie ist natürlich auch gegen vorehelichen Sex.

Dass die Nachricht ihrer 17-jährigen, unverheirateten und dennoch schwangeren Tochter somit in beiden politischen Lagern für Aufsehen sorgt, ist klar. Während die Schwangerschaft zunächst vertuscht werden sollte, outen sich Sarah Palin und ihr Mann nun als “stolze Großeltern” und verkünden, dass Bristol das Kind austragen und den Vater heiraten wird.

Hätte Bristol denn überhaupt eine andere Wahl gehabt?

Our beautiful daughter Bristol came to us with news that as parents we knew would make her grow up faster than we had ever planned. As Bristol faces the responsibilities of adulthood, she knows she has our unconditional love and support.

Bristol Palin, rechts mit kleinem Bruder

Bristol Palin, rechts

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Tochter der Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner im Wahlkampf die Option einer Abtreibung überhaupt gehabt hätte. Vor allem nicht dann, wenn die Mutter selbst Abtreibungsgegnerin ist. Ohnehin: die “Anti-choice”-Anhänger in den USA folgen dem Motto: “it’s not a choice, it’s a child”. Ich sehe hier eher den Versuch, die Angelegenheit dadurch wieder gerade zu biegen, dass an Bristol eine Art Exampel statuiert wird, aus welchem hervor geht, dass es doch garnicht so der Weltuntergang ist, als Teenager schwanger zu werden, solange die Familie konservative Werte vertritt, die Schwangerschaft ausgetragen und der Kindsvater geheiratet wird, sodass aus einem Malheur doch wieder eine himmlische Familie wird.

Mir jedenfalls tut Bristol Palin ziemlich leid. Eine Sache ist es, ungewollt schwanger zu werden. Eine Sache ist es, sich dafür zu entscheiden das Kind zu behalten. Aber um eine Entscheidung überhaupt treffen zu können, muss man ja schon per Definition “pro-choice” sein. Ich persönlich finde es hervorragend, wenn sich jemand dazu entschließt, trotz eigener Jugend, ein Kind aus zu tragen. Doch sollte dieser Schritt genau so gut überlegt sein und vor allem auch genau so freiwillig sein, wie auch eine Abtreibung.
Was ich allerdings nicht verstehen kann ist, weshalb man auch noch den Vater des Kindes direkt heiraten muss. In diesem Alter. Wäre Bristol nicht schwanger geworden, hätte sie ihn nicht geheiratet. Und eine Hochzeit, die auf der Verpflichtung beruht, einem “ordentlichen”, konservativem Familienbild zu entsprechen, ist eine Zwangshochzeit.

In Frage stellen kann man in Anbetracht dieser Schwangerschaft natürlich auch die Effizienz Palins Politik. Ein Fall wie dieser, ihrer eigenen Tochter, zeigt doch schon sehr deutlich, wie unumsetzbar die Forderung nach Abstinenz vor der Ehe ist, wie gefährlich es ist, Kinder und Jugendliche nicht über Sexualität, Schwangerschaft, Verhütung und Geschlechtskrankheiten auf zu klären. Wie Biografien schon im Jugendalter, vor Erlangung der Volljährigkeit maßgeblich beeinflusst und eingeschränkt werden können.

Eine solche konservative Haltung ist mir schlichtweg unbegreiflich.

(Bild 1: Wikimedia Commons, Bild 2: Wikipedia )

4 Antworten

  1. [...] 17-jährige Bristol von all dem hält, kann man nur vermuten (wie es auch Viktoria in ihrem Blog sehr treffend beschreibt). Ganz nach dem Motto: “Es kann nicht sein, was nicht sein darf” wird ihr sicher zu [...]

  2. [...]“Die Kandidatin für das Amt des US-Vizepräsidenten, Palin, hat übrigens jetzt schon mal den Irakkrieg als „Auftrag Gottes“ bezeichnet. Auch sonst hat sie es mit dem Jesus-Vater ganz dicke”[...] und kann ja für die gesamte Familie täglich Fürbitten sprechen.

  3. [...] Chance (”It´s no choice, it´s a child”) haben. Was wiederum eine Sache ist, die Victoria schon sehr nett beschrieben [...]

  4. Die Frau ist echt gruselig… sieht aus wie eine etwas mitgenommene Barbiepuppe, und ihre Ansichten stammen anscheinend größtenteils aus dem Zeitalter vor der Aufklärung. Wenn die aufgeklärten Freimaurerbrüder, die die treibende Kraft hinter der Entstehung der USA waren, das mitkriegen, dann rotieren sie in ihren Gräbern.

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