Die liebe Mädchenmannschaft hat mich heute einmal wieder dazu gebracht, über einige Dinge nachzudenken. Mich einerseits in meine frühe Jugend zurück zu versetzen und andererseits den Fokus erneut auf ein großes Land jenseits des großen Teiches zu richten. Somit werde ich nun zwei Artikel zum gleichen Thema schreiben. Hat auch mal was.
Sexualaufklärung in den USA schaut anders aus, als in Deutschland. Dank der Abstinenz-Kampagne.
Die Abstinenz-Kampagne wird von der US-amerikanischen Regierung stark finanziert. Bundesstaaten, welche diese Art der Sexualerziehung ablehnen, werden von der Regierung finanziell nicht gestützt. 2007 lehnten somit nur sieben der fünfzig Bundesstaaten die Abstinenz-Kampagne ab.
Wie Sexualkunde also in den USA ablaufen kann, illustriert der Artikel aus der Süddeutschen Zeitung:
Mädchen und Jungen einer Klasse stellen sich einander gegenüber, ein Pärchen steht ein wenig abseits. Jeder Schüler hält einen Pappbecher mit Wasser in der Hand, außen ist ein Stück schwarzes Klebeband angeheftet.
Der Lehrer fordert die Schüler auf, einen Schluck aus ihrem Becher zu nehmen, damit zu gurgeln und das Wasser dann zurückzuspucken. Anschließend gießen alle Kinder von ihrem Becher ein wenig in den Becher jedes ihrer Klassenkameraden – nur das Pärchen, das abseits steht, bekommt nichts ab. Ihr Wasser ist rein, in den Bechern aller anderen schwimmt nun eine Brühe mit der Spucke aller.
Nun sollen die Schüler die schwarzen Klebebänder von ihren Bechern ziehen: „Syphilis“, „Chlamydien“, „HI-Virus“, „Feigwarzen“ steht darunter. Nur das abseits stehende Pärchen – die Enthaltsamen – bekommen eine gute Nachricht: „Glück gehabt, keine Krankheit“. „Dadurch, dass ihr euer Wasser oder euren Körper mit so vielen teilt, geht ihr all diese Risiken ein.“ Mit diesen Worten sollte der Pädagoge den Unterricht abschließen. So sieht es der Lehrplan des Erziehungsprogramms „Creating Positive Relationships“ vor, den zwei Sexualwissenschaftlerinnen im Auftrag des staatlichen Sexuality Information and Education Council analysierten.
Abschreckung statt Aufklärung lautet also die pädagogische Devise, die in 43 Bundesstaaten der USA angewandt wird. Viel bringen tuts allerdings nicht, wie die Statistik beweist. Die USA liegen, was Teenagerschwangerschaften angeht, allen anderen Industrienationen weit voraus.
Im Jahr 2006 kamen hier laut offizieller Statistik auf 1000 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren 41,9 Geburten, mehr als 80 Prozent dieser Schwangerschaften waren ungeplant. In Deutschland waren es nur 10,7 Geburten, in Kanada 13,4.
Statt auf Sex zu verzichten, wird er eben falsch, nämlich unvorbereitet, unaufgeklärt und mit Halbwahrheiten gespickt praktiziert. Welche fatalen Folgen dies haben kann, liegt auf der Hand. HIV stellt die Probleme einer ungewollten Schwangerschaft weit in den Schatten. Aber auch andere Geschlechtskrankheiten dürfen nicht unterschätzt werden.
Doch auch eine ungewollte Schwangerschaft unter Jugendlichen kann einen Rattenschwanz nach sich ziehen. Die Zukunft für die meisten früh gewordenen Eltern sieht alles andere als rosig aus, wenn man zumindest einer Statistik der Initiative „National Campaign to Prevent Teen Pregnancy“ Glauben schenkt.
Weniger als zwei Prozent aller jungen Frauen, die minderjährig Mütter werden, können mit 30 einen College-Abschluss vorweisen. Bei Frauen, die erst mit 21 Jahren schwanger werden, sind es immerhin neun Prozent. Zwei Drittel aller Familien, die aufgrund einer Teenagerschwangerschaft gegründet wurden, fallen unter die Armutsgrenze und sind auf Sozialleistungen angewiesen. Nach zehn Jahren sind außerdem 48 Prozent dieser Ehen schon wieder geschieden, die Kinder bleiben mit höherer Wahrscheinlichkeit in der Schule sitzen, landen häufiger in Gefängnissen und bekommen selbst viel zu jung Kinder.
In Anbetracht dieser Prognose kann man sich ja fast nur darüber freuen, wenn Teenager wie Bristol Palin oder Jamie Lynn Spears schwanger werden. Teenager, die zwar im selben Alter sind, wie jene, die wohl durch Raster fallen werden, allerdings aufgrund der finanziellen Stellung ihrer Eltern darauf hoffen können, sich selbst und auch ihren Kindern eine sichere Zukunft zu bieten. Der großen Mehrheit der schwangeren Teens bleibt solch ein Glück im Unglück allerdings vergönnt. Sie haben mit Konsequenzen zu leben, die zwar in erster Linie ihnen zugesprochen werden, deren Ursprung allerdings darin liegt, dass Regierung und Staaten sich auf eine prüde Pseudoaufklärung verlassen wollen, welcher dran gelegen ist, die Ängste der Jugend an zu sprechen, statt an ihren Verstand und den vernünftigen Umgan mit Sexualität und Verhütung zu appellieren. Denn es sind Halbwahrheiten, die das Abstinenz-Konzept den Schülern unterbreitet.
In den Programmen mit Titeln wie „Wait Training“ („Wie man das Warten lernt“) oder „Managing Pressure before Marriage („Mit Druck vor der Hochzeit umgehen“) wird der Einsatz von Kondomen mit russischem Roulette verglichen. Einige Autoren behaupten, Kondome schützten nicht vor Geschlechtskrankheiten und nur unzureichend vor Schwangerschaften, HIV werde durch Tränen und Schweiß übertragen und schon das bloße Berühren von Genitalien könne zur Schwangerschaft führen.
Es ist wirklich traurig, was für ein Konzept von Bildung eine Nation verfolgt, die sich selbst als Demokratie par excellence begreift. Wie Ideologie die Rationalität besticht. Für berechtigt halte ich den Gedanken daran, wie wohl in anderen Teilen des Bildungszweigs, nicht nur in der Sexualkunde, Behauptungen als Fakten dargestellt werden, welche als wahrhaftig verinnerlicht werden sollen.
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[...] In den USA schaut dies anders aus. Dank der Abstinenz-Kampagne. Wer mehr hierzu lesen will, der wechsel bitte in den Anderen Artikel: Abschreckung statt Aufklärung [...]
[...] Das schreiben andere Seiten über „Jamie Lynn Spears“:Abschreckung statt Aufklärung [...]