Man wird nicht mehr jünger

„Oh welch Erkenntnis!“ wird sich manch einer denken. Faktisch ist dies gewiss nichts neues, auch für mich nicht. Die emotionale Verinnerlichung stellte sich allerdings erst am Montag ein. Ja, denn am Montag stand mein Geburtstag an. Ein runder.

Ich bin jetzt 20. Jetzt ist es raus. -Zwanzig-

Ich wusste doch schon immer, das bloggen die beste Therapie ist. Nun habe ich es geschafft, ohne allzu lange zu zögern, mein jetztiges Alter auf zu schreiben. Das kostet Überwindung, irgendwie. Ich weiß eigentlich auch nicht recht wieso, 20 an sich ist ja kein Alter. Unter uns: Ich finde auch, dass man mit einer 3 vorne noch ziemlich jung ist! Es kommt einfach auch darauf an, wie man sich selbst gibt. Viele Leute machen sich ja auch älter als sie eigentlich sind.

Naja, meine Sorgen rühren auch nicht wirklich vom Alter her. Es geht mir nicht so sehr darum, dass ich älter werde. Ich habe jetzt natürlich noch keine Angst vor Falten und grauen Haaren oder sonstigen Begleiterscheinungen. Es geht mir viel mehr darum, dass nun eine Ära vorbei ist. Ich bin kein Teenager mehr. Ich bin keine Jugendliche mehr. Ich bin erwachsen, endgültig.

Es kommt plötzlich alles auf einander. Man beendet die Schule, hat dann Abitur, schreibt sich in der Hochschule ein, weiß überhaupt nicht mehr, was einen erwartet. Verlässt bekannte Gefilde, verlässt bekannte Strukturen. Was wird da kommen? In der näheren und vor allem in der ferneren Zukunft?

Ich stehe an einem Punkt, an dem ich schlichtweg mit meiner Vorstellungskraft am Ende bin. Wie Schule war, weiß ich. Wie es war, ein Teenie zu sein, weiß ich auch. Der Unterschied zwischen 16 und 17 Jahren: lachhaft. Nach der 9. Klasse kommt die 10. Klasse. Es ist immer das selbe, zur Oberstufe hin ändert sich ein wenig was, aber grundsätzlich bleibt alles beim Alten.

Es schleicht sich eine ungeliebte Routine ein, die dennoch Geborgenheit verschafft. Und trotz der Routine auch noch Raum für sanfte Veränderung, Entwicklung, Wachstum lässt.

Die Schonfrist ist nun vorbei.

Die Veränderungen kommen Schlag auf Schlag, sind eingebettet in ein Tal der finanziellen Überlegungen, Sorgen und Nöten. Plötzlich ist man das, was man immer schon dachte zu sein, aber nie war: schrecklich erwachsen.

Und dann diese gruselige Zahl. 20.

Die dies alles noch irgendwie besiegelt. Bestätigt. Ja, Vicky – Du bist jetzt erwachsen. Du bist kein Teenie mehr. Du lebst Dein Leben. Du bist für Dein Leben verantwortlich. Du bist der Protagonist. Du machst das beste aus Deinen Chancen. Oder auch nicht. Wenn Du scheiterst, liegts an Dir. Denn Du hast die Zügel in der Hand. Es ist Dein Kredit. Es ist Dein Studium. Es ist Deine Regelstudienzeit. Es ist Dein Gehalt, was Du nicht hast.  Doch egal was es ist, es liegt an Dir.

Zugegebener Maßen fühle ich mich ein wenig wie im freien Fall. Es wundert mich tatsächlich, gerechnet habe ich damit nicht. Und doch fällt mir dieser Schritt jetzt viel schwerer, als alles zuvor durchlebte. Ich hatte eine sehr seichte Pubertät ohne großartige Zwischenfälle, immer ein gutes Verhältnis zu meiner Umwelt. Und nun werde ich erwachsen, nein, ich bin es schon, und kann damit nicht sonderlich gut umgehen. Komisch, dieses Leben. Komisch, diese Probleme, die irgendwie keine sind, angesichts der Einzel- und Kollektivschicksale anderer Menschen.  Und doch nehmen sie einen mit.

Nun ja, nachdem ich mir nun recht wirr den ganzen Schmu von der Seele geschrieben habe, geht es mir irgendwie was besse. Ist doch immer so. Und wahrscheinlich durchlebt dieses Dilemma ein jeder, der mal einen neuen Lebensabschnitt begonnen hat.

7 Antworten

  1. Ja, ja, hab ich doch gesagt: Jetzt kommt die Quarter-Life-Crisis…

    Übrigens, das ist ja ein ganz süsses Foto von dir, aber irgendwie wirkt es auch beängstigend, keine Ahnung wieso, aber vielleicht ist es deshalb so cool…Kann ich das haben? (steht ja so ein copyright drunter…)

    Lg
    Juli

  2. Ja, die gute 20. Es verändert sich dabei zwar viel, aber es ist im Prinzip einfacher als man denkt. Da wächst man automatisch rein. Ich kam damit zurecht, also wirst du das locker. :)

    Wesentlich interessanter ist es, wie man sich fühlt, wenn man 30 wird. In ca. 4,5 Jahren sag ich Bescheid, wie es so ist. ;)

    LG Kami

  3. Hi Ihr Lieben!

    Danke sehr fürs gute Zusprechen. ;) *seufz* Es hilft ja alles nichts…

    @Juli: klick einfach auf das Bild, dann kriegst Du es auf volle Größe und speicher es dann einfach ab. :) Beängstigend? Und ich dachte ich würd da niedlich drauf ausschauen… vielleicht ist gerade das auch das beängstigende? ;)

  4. @Viki: Keine Sorge, du siehst auch niedlich drauf aus. Und unschuldig, irgendwie zu unschuldig. Und du drückst dich an die Diddlmaus und schaust mit grossen Augen in die Kamera. kA, vielleicht ist das beängstigende auch nur eingebildet und das Problem liegt bei mir. Ich dachte zuerst das wär ja beabsichtigt dass es so wirkt…ach was wiess ich…

    Lg
    Juli (bitte nichts übelnehmen)

  5. Keine Sorge man wächst irgendwie rein, schlimm ist nur wenn man sich zurückwünschen würde, da meint man was verpasst zu haben, bereue einfach nichts, blick vor und lebe wie du es für richtig hältst, hauptsache man wächst..Tu ich mit 24 auch noch ;-)
    Klingt nach unglaublich weisen Ratschlägen und Besserwisserei, ist aber nicht so gemeint…

  6. 30 ist viel grusliger als 20. Und 30 hab’ ich auch überlebt.

  7. Oooch, zwanzig? Das ist ja echt schon uralt! Schon ein Testament gemacht? Die Sachen mit der Sterbehilfe abgeklärt? Organspenderausweis? Friedhofsverwaltung besucht?

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